Moritz Simon Geist - Tripods One

20:00 Uhr. Stadtgarten. Moritz Simon Geist. Tripods One.

Moritz Simon Geist. Tripods One. Stadtgarten Köln

Foto: Felix Knoblauch

Im linken Bühnenbereich des Stadtgartens ist eine Konstruktion aus fünf weißen Figuren und einem Tisch mit Computer und kleinem Mischpult aufgebaut. Auf den Bildern der Internet-Vorschau wirkten die dreieckigen Figuren irgendwie größer. Hier im Stadtgarten kann man die elektronischen Bauteile, die im Zentrum der weißen Körper platziert wurden, mit bloßem Auge nicht erkennen.

Nach der aus mehreren Tracks bestehenden etwa einstündigen Konzertperformance greift Moritz Simon Geist zum Mikrofon und erklärt, wie seine Installation funktioniert: Verschiedene Bauteile wie Federn, Schrauben, Metallbleche oder Zungen einer Kalimba werden durch von Elektromotoren angetriebenen Hämmerchen angeschlagen. Der entstehende Klang wird verstärkt, elektronisch verfeinert und von Geist in Techno-Beat-Manier rhythmisch strukturiert und organisiert. Spielt eine Maschine, leuchtet diese kurz auf, was der hörbaren Rhythmik eine visuelle Ebene hinzufügt.

Wahrscheinlich um die Funktionsweise des Musik-Roboters zu verstehen, beginnt die Performance mit einem einfachen, gleichmäßig schlagenden Bass-Beat, ausgelöst durch die Nadel eines Plattenspielers. Moritz Simon Geist verlässt dann seinen Computer und bewegt sich in Richtung der Installation. Dort wird justiert, mit Knack-Geräuschen irgendetwas eingestellt, hier und da an Schrauben und Federn gewackelt.

Nachdem also die grundsätzliche Funktionsweise des Instruments klar ist, beginnen sich die einzelnen Klangereignisse rhythmisch zu organisieren. Es werden eingängige Beats hörbar, die an ekstatischen Techno erinnern, sich in Fragen von Klangqualität und Lautstärke zum Glück aber von selbigem deutlich unterscheiden. Dennoch hätten sich sicherlich die meisten Konzertbesucher die Bestuhlung weggewünscht. Die Lust zum Tanzen ist vielen Hörern – eingepfercht in den Sitzreihen – deutlich anzusehen.

Die Musik-Roboter-Installation wird schließlich noch durch eine Live-Video-Aufnahme erweitert. Auf eine Leinwand projiziert sehen wir, wie die kleinen Maschinen arbeiten. Jetzt erkennt man auch aufgeschnittene Festplatten, deren Schreib-Lese-Köpfe wie kleine Drumsticks gegen das Gehäuse hämmern.

Da hier lediglich fünf Maschinen am Werk sind, ist das klangliche Potenzial nach der ersten halben Stunde ausgeschöpft. Um nicht der Eintönigkeit zu verfallen, werden die Sounds mittels Abelton-Software leicht verfremdet oder in ihrer Frequenz angepasst: einmal mehr, ein anderes Mal weniger Bässe und Höhen – deutlich mehr passiert klanglich eigentlich nicht.

Auch wenn man die Klänge relativ schnell verstanden hat, wird die Performance dennoch nicht langweilig. Die Stunde ist knackig genug und dramaturgisch durchdacht. Man ist tatsächlich neugierig, welche Maschinen Moritz Simon Geist noch im Repertoire hat. Klar, dass hier lediglich eine grobe Idee davon vermittelt wird, wie die elektronische Musik um mechanische bzw. akustische Elemente bereichert werden kann. Man bekommt Lust auf mehr. Wer die Chance der Live-Performance verpasst hat: Auf YouTube und Facebook finden sich etliche Maschinen Geists.

Felix Knoblauch

#MoritzSimonGeist #ElektronischeMusik #Stadtgarten #TripodsOne #Techno

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