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Torsten Papenheim im ON-Büro

24.05.2019

19:30 Uhr. ON Büro. Torsten Papenheim. racking. 

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Torsten Papenheim ist als Musiker und Komponist in Deutschland und Europa unterwegs. Dabei ordnen sich seine Werke irgendwo zwischen melodischem Kontrapunkt und Noise ein. Was das im Detail bedeutet, konnte man am Abend im ON-Büro erleben. Das geplante Doppel-Konzert musste leider zum Solo werden, da der Duo-Partner Georg Wissel (Saxophon) kurzfristig erkrankte. 

 

racking nennt Papenheim sein immersives Stück für präparierte Gitarre. Präpariert wurde das Instrument durch einen Radiergummi, einen Plastiklöffel, ein Holzstäbchen und einen Inbusschlüssel. Klanglich spielt hier auch der Aufführungsraum eine entscheidende Rolle, wird im Laufe des Werkes gar Teil des Instrumentariums. 

 

Massiv und in gleichbleibenden Vierteln schlägt Papenheim alle Saiten an. In gemütlichem Puls von geschätzt 50 bpm scheppert und klappert die präparierte Gitarre im überakustischen Raum. Dabei greift der Musiker hier keine Akkorde, sondern lässt die Präparation über Tonhöhe und Klangfarbe bestimmen. 

 

Die Gitarre, anfangs noch vollständig präpariert, klingt hier ein wenig gehemmt, als würde man ihr Potenzial bewusst zurückhalten und einen vollen Klang unterdrücken. Durch feinste Manipulationen der Griffhand bspw. am Radiergummi verändern sich die massiven Klangblöcke in feinsten Nuancierungen. Das Gummi wird schließlich entfernt und neue Obertöne werden den Klangblöcken hinzugefügt. 

 

Durch leichtes Drücken auf den Plastiklöffel entstehen dann melodische Schleifen, die das hämmernde Gebilde um eine zarte Komponente bereichern. Allerdings muss man sich schon sehr konzentrieren, um diese Linien so wahrzunehmen. Ganz entscheidend ist dafür auch der Raum, in dem sich die verschiedenen Klänge förmlich umeinander weben.  

 

In gewisser Weise ist racking eine minimalistische Idee von Klangentwicklung. Die Art des Hörens, die dafür gefordert wird, erinnert an die Philosophie des Deep Listening Pauline Oliveros' und so wird das intensive, trance-artige Zuhören hier zu einer körperlichen und immersiven Erfahrung. Konzentriert man sich beispielsweise auf die Außenstimmen, so nimmt man in der Klangmasse gar Moll-Akkorde war, die von tief schwingenden Bässen getragen werden. Über einen Zeitraum von 30 Minuten wird nach und nach die Präparation entfernt. Dadurch entstehen jeweils völlig neue Klangwelten, in denen das mitschwingende ON-Büro wieder neu erlebt werden kann. 

 

Am Ende wird dann noch ein kleines Detail des benutzten Instruments sichtbar. Es handelt sich bei der Gitarre um eine Klappgitarre, deren Hals sich via Hebel lösen und im Korpus verstauen lässt. Dadurch passt das Instrument in einen Rucksack. Ausgewählt wurde die Gitarre von Papenheim wegen des charakteristisch blechernen Klanges. 

 

Felix Knoblauch

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