HÖR·FLECKEN am Heumarkt

18:00 Uhr. U-Bahn-Haltestelle Heumarkt. Gerhard Stäbler: HÖR·FLECKEN. Ensemble Musikfabrik. Studio Musikfabrik. Kammerchor der Universität zu Köln. Schüler und Schülerinnen des Albertus-Magnus-Gymnasiums.

Foto: Felix Knoblauch

Die neue U-Bahn-Station am Kölner Heumarkt wurde am frühen Abend zum Schauplatz eines komponierten Happenings des Duisburger Komponisten Gerhard Stäbler. Über alle Ebenen verteilt wurden Musiker platziert, die teilweise gleichzeitig, teilweise solistisch nacheinander Musik spielten. Das getreu des diesjährigen Festival-Mottos "GroßstadtPolyphonie".

Inmitten des gigantischen U-Bahn-Gewölbes eröffneten junge Musiker das Spektakel, die mit Ratschen und nach Glocken klingenden Blechen einmarschierten und die Aufmerksamkeit des gesamten Bahnhofs auf sich zogen. Nachdem das Ensemble dann seinen Platz zwischen den beiden Rolltreppen am Haupteingang gefunden hat – eine eindrucksvolle Bühne – beginnt aus der Ferne eine Klarinette zu spielen.

Obwohl die Bewegungsfreiheit des Publikums so nicht direkt kommuniziert wurde, bewegen sich die meisten Passanten von der Musik getrieben in Richtung der Klarinette. Zumindest versucht man das, leicht orten lässt sich das Instrument nicht. Das liegt daran, dass es eine Etage tiefer platziert wurde und der Klang durch die schmalen Öffnungen im Boden in die höheren Stockwerke strömt.

Dieses Prinzip der teils gleichzeitig stattfindenden, teils sich abwechselnden Konzerte bestimmt das Geschehen für die nächsten zwei Stunden. Diese Gleichzeitigkeit verschiedenster musikalischer Aktionen ist ein Merkmal für Stäblers kompositorisches Schaffen. Und so wird in den HÖR·FLECKEN neu Komponiertes mit bereits Bekanntem verbunden. Wer 2015 die UA der Auftragskomposition (ebenfalls von AchtBrücken) AUSREISSEN DAMIT / ES GRÜN BLEIBT ... im Kölner Rathaus erlebte, der wird von den HÖR·FLECKEN klanglich an vieles erinnert. Spannend übrigens auch der Applaus des Publikums, der zwischendurch von unterschiedlichsten Orten zu hören ist.

Vorläufiger Höhepunkt ist der Auftritt des Komponisten Gerhard Stäbler, der als wütend schreiender Sänger die Szenerie betritt. Dabei grölt er eher, als dass er singt. Ein Auftritt, der in dem gewaltigen und kalten Gemäuer der Haltestelle brutal und beängstigend wirkt. Stäblers Auftritt endet mit einer Performance, bei der er aus Aluminiumfolie einen knisternden und silbern strahlenden Haufen errichtet.

Foto: Felix Knoblauch

Glück haben muss man, um genau zum richtigen Zeitpunkt eine Ebene tiefer zu sein und dort die Aktion der Theatergruppe des Albertus-Magnus-Gymnasiums zu erleben. Dort lauscht man der Musik eines Akkordeons und einer Sängerin, als plötzlich die U-Bahn der Linie 5 einfährt, aus der die Theatergruppe schreiend herausrennt und zu tanzen beginnt. Dass diese Aktion pünktlich passierte, ist bei der Pünktlichkeit der KVB kaum zu glauben, die Wirkung der Performance wurde in diesem Fall aber nicht negativ beeinflusst.

Da das Publikum hier keinesfalls nur aus den typischen Konzertgängern besteht, sondern eben auch zufällig durchreisenden KVB-Kunden Anteil am Geschehen nehmen, schnappt man als aufmerksamer Hörer nicht nur verschiedene Hörflecken auf. Auch Stimmungsflecken – wenn man die kleinen Gruppierungen aus begeisterten, aber auch ablehnend eingestellten Passanten so beschreiben will – lassen sich deutlich vernehmen. Diese wirklich aufwändige Aktion des sonst eher müßigen AchtBrücken-Programms war hier dennoch ein gelungener Auftakt, der auf mehr Mut in diese Richtung hoffen lässt.

Felix Knoblauch

#UBahnHaltestelleHeumarkt #GerhardStäbler #HÖRFLECKEN

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