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INTERSTELLAR 2 2 7 #doublespace

11.10.2019

20:00 Uhr. Alte Feuerwache. INTERSTELLAR 2 2 7. #doublespace. Dorrit Bauerecker. Barbara Schachtner. 

 

Fotos: Felix Knoblauch

 

Angenehm überrascht sind die Leute, die pünktlich um 20 Uhr das kleine Foyer der Alten Feuerwache betreten. Hier tummeln sich nämlich schon dutzende Menschen, die alle die neue Produktion #doublespace des Kölner Duos INTERSTELLAR 2 2 7 miterleben wollen. Offiziell kann man Dorrit Bauerecker dabei an den Tasteninstrumenten erleben, Barbara Schachtner als Sängerin. Viel eher aber sind hier beide Performerinnen in einem geschlossenen System, das zwar einzelne Werke vorstellt, eigentlich aber als Gesamtkunstwerk verstanden werden will. 

 

Das Publikum betritt geschlossen den Konzertsaal der Alten Feuerwache. In der Mitte des Saals wurde ein Holzkubus errichtet, dessen offene Seitenwände mit rotem Faden abgesteckt sind. Bauerecker und Schachtner stehen innerhalb der leicht erhöhten Grundfläche. In den Händen halten sie Spindeln mit rotem Faden, den sie quer durch den Bühnenraum ziehen. Die beiden sind futuristisch gekleidet, tragen grüne Strumpfhosen und Oberteile aus Plastik. Ihre Gesichter sind durch eine Art gehäkelten Stoff verdeckt. 

 

Wie zwei Weltfremde bewegen sich die Künstlerinnen in der Bühnenmitte – sind sie tatsächlich Außerirdische? Dorrit Bauerecker setzt sich an einen Tisch und beginnt auf einer Schreibmaschine zu tippen. Barbara Schachtner scheint das mit Live-Elektronischen Effekten zu kommentieren. Sie bewegt ihre Hand über einen Sensor, der auf dem Tisch liegt. Dieser Sensor reagiert auf Nähe und Bewegung und löst entsprechende Klangeffekte aus. Wolfram Lakaszus ist hier für die Entwicklung verantwortlich. 

 

Das Sensorsystem spielt auch im weiteren Verlauf des Abends noch eine Rolle. Vermutlich in einem grünen Handschuh von Barbara Schachtner versteckt, befindet sich ein Sensor, der eine virtuelle Biene bewegt. Diese wird auf eine Seite des Holzkubus projiziert. Mit ihren viel zu kleinen Flügeln, ihren schielenden Augen, ihrem dicken Körper und krummen Stachel sieht sie irgendwie ulkig aus. Brummende Klänge aus der Melodika untermalen den Eindruck – das Publikum lacht amüsiert. 

 

Neben Uraufführungen von Christina C. Messner und Roman Pfeifer werden noch zwei Werke von Alban Berg und Johannes Brahms gespielt. Diese Gegenüberstellung scheint die Grundidee der Performance zu stützen: Hier treffen zwei Wesen auf eine Welt, die es für sie erst noch zu erkunden gilt und die noch einiges zu bieten hat. Trotz ihrer Verspieltheit behält die Gegenüberstellung eine tiefe Ernsthaftigkeit. Werke des Sprechbohrers Harald Münz und Agata Zubel runden das Programm ab. 

 

#doublespace ist eine aufwendige Materialschlacht. Neben virtuosem Bühnenbild und Kostümen ist die Leistung der technischen Realisation enorm und deshalb besonders erwähnenswert. Sämtliche Mikrofone und Synthesizer müssen hier kabellos funktionieren, da sie als Teil der Performance ständig in Bewegung sind. Der Beamer projiziert auf transparente Kunststoffstreifen am Bühnenrand und sogar die geschickt mikrofonierten Holztische sind als Musikinstrumente in Gebrauch. Beide Musikerinnen steuern mittels Bewegungssensoren live-elektronsiche Effekte an, was eine eigens für den Abend erstellte Programmierung erfordert. Ein Aufwand, der sich durchweg gelohnt hat!

 

Felix Knoblauch

 

Die letzte Aufführung findet am 12.10. um 18 Uhr statt.

 

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