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Currents/ Festival für aktuelle Tiefkultur

12.10.2019

15:00-24:00 Uhr. Alte Feuerwache. currents/. ON-Festival für aktuelle Tiefkultur

 

Mit dem currents/-Festival soll ein Blick auf die Übergänge zwischen sog. Neuer Musik und all dem geworfen werden, was sich zwar im Bereich der aktuellen Musik bzw. Elektronik und Klangkunst bewegt, der tradierten Kategorisierung im Sinne der Neuen Musik aber nicht entspricht. In der Regel ist das Musik, die gerade wegen ihrer Vielseitigkeit keinen Platz in den großen Konzerthäusern findet, für den klassischen "Neue-Musik"-Markt eben zu unhandlich ist. 

 

Fotos: Felix Knoblauch

Acht Performances und Konzerte, sowie drei Installationen boten einen guten Einblick in die hochpotente Arbeit der freien Musikszene. So eröffnete beispielsweise der Kölner Künstler und Label-Betreiber Frank Dommert die Veranstaltung mit einem DJ-Set. The Sound and the Unsound war mit Nicola L. Hein an der Gitarre und Etienne Nillesen am Schlagzeug ein weiteres Projekt der freien Kölner Szene. Hier saßen die Improvisierenden hinter weißen Vorhängen, lediglich ihre Schatten waren für das Publikum sichtbar. 

 

Lucia Kilgers raumfüllende Installation frames (2018) spielte mit Wahrnehmung von Realität und Virtualität. Mit iPad in der Hand und Kopfhörern auf dem Kopf wurde ein Proband nach dem anderen mit der Aufgabe in einen Raum geschickt, die auf dem iPad gefilmte Szenerie gehend mitzuverfolgen. Dabei hielt man das Gerät vor seinen Körper und sah darauf u.a. in einer Raumecke stehend einen Kontrabassisten, der wild vor sich hin spielte. Lotste einen das iPad weiter, sah man auf dem Gerät die nächste – dieses Mal leere – Raumecke, die nun aber tatsächlich mit Moritz Baerens am Kontrabass besetzt war: ein spannendes Verwirr-Spiel!

 

Ela Mergels raumfüllende Greenscreen-Installation lud das Publikum ein, sich in kleinen Gruppen verkleidet vor eine Kamera zu stellen und eine spontane Performance abzuliefern. Das Überraschungs-Ergebnis sollte man dann per Mail erhalten. Zo-On Slows installierte eine Art Sensor-Band im Treppenhaus der Feuerwache, das in der obersten Etage Klangfeedback produzierte. 

 

Ein weiteres Highlight des Abends war das New Yorker Ensemble Pamplemousse, ein Komponisten-Performer-Kollektiv, das sich musikalisch auf eine Mischung aus europäischer Avantgarde und amerikanischem Musiktheater spezialisiert hat. Zwar ist dieses Programm nicht wirklich innovativ oder einzigartig. Die Künstler schafften es trotzdem das am Ende mit Jubel dankende Publikum zu begeistern. Das galt ebenso für Steintechno von und mit Akiko Ahrendt als Geigerin und Dirk Rothbrust als Schlagzeuger. Dabei produzierten Faustgroße Steine dumpfe Beats, mit denen u.a. die präparierte Geige spannende Patterns bildete. 

 

Da Neue Musik ohnehin keine Charts stürmt und sich auch für den klassischen Musik-Markt nicht gerade als Publikumsmagnet entpuppt, liegt die Vermutung nahe, dass das allgemeine Interesse an einer Veranstaltung wie currents/ eher verhalten ist – Stichwort: Tiefkultur. Das Gegenteil war der Fall: Die Konzerte und Performances waren voll und vor den interaktiven Installationen bildeten sich lange Schlangen. Hier wurde Kunst gemacht und nicht versucht mit bildungsbürgerlichem Dünkel einen Markt zu bedienen. Diese Integrität kam beim Publikum gut an, kein Wunder also, dass man hier deutlich mehr als die üblichen Szene-Gesichter antraf. 

 

Felix Knoblauch

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