Kelemen Quartett / Podmore-Dill – Chamber Remix Cologne

06.10.2019

17:00 Uhr. Kunsthaus Rhenania. Chamber Remix Cologne. Kelemen Quartett. Jono Podmore, Roland Dill.

 

Auch im angenehm beheizten Kunsthaus Rhenania ist das Herbstunwetter mitsamt Wind und Starkregen noch zu hören. In die gemütliche Atmosphäre tritt das Kelemen Quartett (Barnabás Kelemen – Violine, Katalin Kokas – Violine, Dmitry Smirnov – Viola, Mon Puo Lee – Cello). Das 2009 in Budapest gegründete Streichquartett gewann bereits mehrere Preise und wird besonders für seinen Eigensinn in der Interpretation gefeiert. Barnabás Kelemen hat mittlerweile eine Professur für Geige an der Kölner Musikhochschule. 
 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Bevor das Streichquartett allerdings das Konzert beginnt, wird es von Jono Podmore und Roland Dill verkabelt. Die beiden Live-Remixer haben Armbänder mit Sensoren vorbereitet, die die Musiker anziehen müssen. Die Sensoren registrieren die Streichbewegungen und geben entsprechende Information in Form von Midi-Daten aus. Mit Hilfe dieser Daten sollen im späteren Live-Remix dann analoge Synthesizer angesteuert werden. 

 

Seine Reputation bestätigen konnte das Kelemen Quartett bereits nach wenigen Sekunden, als es Schuberts unvollendetes Streichquartett D. 703 zum Besten gab. Die unerbittlich ratternden Sechzehntel werden hier gleich zu Anfang mit einer Vehemenz gepflügt, die von den Musikern erst in Bartóks Streichquartett noch übertroffen wird. Schuberts Quartettsatz wirkt wie ein ungestümes Experiment des Komponisten, der mit seinen Quartetten aus der Jugendzeit quasi erfolglos blieb und deshalb hier einen großen Schritt nach vorne zu gehen scheint. 

 

In Bartóks fünftem Streichquartett bilden die insgesamt fünf Sätze eine Bogenartige Struktur. So beziehen sich der erste und der fünfte Satz inhaltlich aufeinander. Gleiches gilt für die Sätze zwei und vier. Quasi als Keimzelle steht der dritte Satz, das Scherzo, in der Mitte. Hier scheint eine kleine Melodie in der Bratschenstimme der Ursprung der thematischen Arbeit aller Sätze zu sein. Diese durchweg harmonische Melodie wird durch das Ensemble gereicht und durch Chromatik auf eine beinahe unverschämte Art verfremdet. Diese Momente klingen dann nach Musik, die auch 60 Jahre später hätte geschrieben sein können. 

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Nach einer Pause werden wir gebeten, unsere Stühle mit auf die andere Seite des kleinen Kunsthauses Rhenania zu tragen. Hinter dem zum Raumteiler umfunktionierten schwarzen Vorhang in der Mitte angekommen, kann man den Aufbau von Jono Podmore und Roland Dill bewundern. Podmore – seinerseits ebenfalls mit Professur an der Kölner Musikhochschule – arbeitet im Bereich der Produktion und des Arrangements. Der Musikproduzent Roland Dill arbeitet für verschiedene Labels und veröffentlicht eigene Alben. 

 

Das Remix-Set lebt besonders vom Fühlbar-Machen der Musik. Hier überrollt eine Bass-Welle die nächste, was auf Dauer einigen Zuhörern zu anstrengend wird. Das aufgezeichnete Streichquartett taucht einmal gesamplet im Remix auf, spielt aber ansonsten für den Klang keine konkret hörbare Rolle. Hier scheinen in erster Linie die musikalischen Gesten wichtig. Ob diese in Korrelation mit den aufgezeichneten Armbewegungen stehen, lässt sich aber nicht sicher sagen. Schön anzusehen – und zu hören – ist ein Theremin, das dann tatsächlich einige Gesten des ersten Sets in die Musik zurückholt. 

 

Felix Knoblauch

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