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E-MEX: Doppelporträt Joanna Wozny und Peter Gahn

29.05.2019

22. Mai. 20:00 Uhr. Alte Feuerwache. Ensemble E-MEX. Joanna Wozny. Peter Gahn. 

 

 Foto: Nathalie Brum

 

Unter dem Motto Korrespondenzen und Kontraste stellte die Edition Juliane Klein zum 20-jährigen Jubiläum ihres Bestehens die beiden Komponist*innen Joanna Wozny und Peter Gahn in Form eines Doppelporträts gegenüber. Die insgesamt sechs Werke wurden vom 1999 gegründeten Ensemble E-MEX aus Essen in der Alten Feuerwache in Köln-Nippes aufgeführt. Um den aktuellen Stand des kompositorischen Schaffens zu präsentieren, wurden Wozny und Gahn um eigens für das Konzert geschriebene Stücke gebeten, sodass das Publikum neben vier Werken aus den Jahren 2013 bis 2016 zwei Uraufführungen erleben durfte. Mehrere kurze Gesprächsrunden, in denen Fragen bezüglich Inspiration, Arbeit und Intention Einblicke in das Werk der beiden Komponist*innen gewährten, lockerten den Rahmen des Konzerts angenehm auf.

 

Der Abend wurde mit dem Stück suspended (2013) von Joanna Wozny für Saxophon, Violoncello, Akkordeon und Klavier eröffnet. Besonders wirkungsvoll war der tiefe, grollende Klangteppich aus Saxophon und Akkordeon gegenüber den tendenziell perkussiv genutzten Instrumenten Violoncello und Klavier. Wozny fasziniert die Nutzung der für Saxophon und Akkordeon unspezifischen Laute und entwickelt dadurch eine eigenwillige Klangästhetik, die sich der perkussiven Elemente auf Grund ihrer additiven Wirkung bedenkenlos entledigen konnte. Ein Duett hätte dank einer Reduktion auf Saxophon und Akkordeon der klanglich eindrucksvollen Erforschung nicht geschadet.

 

Die Besetzung in Peter Gahns In the third space (2015/16) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Akkordeon, Schlagzeug und Klavier ergibt einen dicht besetzten Auftakt, dem sich sein deutlich impulsiveres Werk Salut (2019, UA) anschloss, zu dem ihn ein nächtlicher Spaziergang in der Silvesternacht durch den Park inspirierte. In der Gesprächsrunde erläutert er erfrischend ehrlich seine anfängliche Schwierigkeit einen ersten Impuls zu finden, bis ihn Knall und Rauch der Silvesterraketen zu diesem explosiven, aber niemals aggressiven Stück inspiriert haben. Für ein Werk der Neuen Musik war es mit wenigen Minuten erstaunlich kurz. Gahn gelang eine gute Balance zwischen sehr expressiven Lauten und lange ausschwingenden Nachhallklängen. Die Erläuterung des Werks vorab hätte es nicht gebraucht, um das Gefühl der latent destruktiven Klangkulisse einer Silvesternacht nachzuempfinden.

 

Foto: Nathalie Brum

 

Mit some remains (2015) beweist Wozny abermals einen mikroskopischen Blick in die klangliche Welt der Instrumente des E-MEX Ensembles. Immer wieder wurden die Instrumentalist*innen damit herausgefordert, untypische Klänge am Rande der Spielbarkeit zu spielen, um die Grenzen der Spielbarkeit und des tonalen Spektrums zu erforschen. Möglichst hohe, tiefe, aber auch der klassischen Spielweise widerstrebende Laute liegen im Fokus der in Graz lebenden Komponistin, die im polnischen Katowice zunächst Philosophie studierte, bevor sie sich dem Kompositionsstudium widmete. Gut möglich, dass sich ein grundsätzlich philosophisch motiviertes Hinterfragen in ihrem Werk manifestiert. Dem fein austarierten und detailverliebten Werk Woznys mit düsterem Anklang stand mit dem Stück Diagonalen in kubischen Räumen I-III (2013) von Gahn eine buchstäblich raumgreifende Besetzung als Kontrast ganz im Sinne der Konzertserie gegenüber. Das Ensemble saß zweigeteilt weit auseinander auf der Bühne und forcierte einen breit gespreizten und natürlichen Stereoeffekt. Das Spiel mit den räumlichen Positionierungen der Instrumente hatte Potenzial für ein Aufbrechen der tradierten Aufführungspraxis von Kammermusik, das den Wunsch einer vollen Ausschöpfung aufkommen ließ.

 

Dem Essener E-MEX-Ensemble wurde bei der Umsetzung der komplexen Werke viel abverlangt und es meisterte den Abend gekonnt, was nach 20-jährigem Bestehen nicht verwundert. Auch wenn die meisten Instrumentalist*innen keine Gründungsmitglieder mehr sind, so fiel eine gute Mischung der Altersgruppen auf der Bühne auf. Eins der jüngsten Mitglieder und sowohl im vorder- als auch im hintergründigen Bereich der Musik gefühlvoll, dynamisch und zugleich selbstbewusst, war der 1992 in Finnland geborene Petteri Waris am Akkordeon. Die musikalische Leitung durch den erfahrenen Dirigenten und Komponisten Christoph Maria Wagner erleichterte die Aufführung der Werke von Gahn sicherlich, auch wenn die Präsenz des Leiters das Publikum vom Ensemble abzulenken drohte.

 

Den Abschluss bildete das erneut fein justierte und nicht weniger finstere Spiel des Ensembles mit Woznys void distance (2019, UA), bei dem die Glissandi von Violine, Viola und Violoncello in Zeitlupe umzukippen drohten. Wie mit gedämpften Aquarellfarben malte Wozny Klang über Klang in Schichten übereinander, ließ Resonanzen wie Tusche langsam auslaufen und benutzte das Tamtam des Perkussionisten als kräftigen Akzent in ihrem musikalischen Bild, um das Dröhnen und Scheppern mit einem abrupten Abdämpfen zum eingefrorenen Stillstand zu bringen. Sie markierte damit ein entschlossenes und im Hinblick auf die Dramaturgie des Konzerts sehr adäquates Ende für einen vielschichtigen Konzertabend. 

 

von Nathalie Brum

 

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