Brückenmusik 25. Public Litanies.

30.06.2019

16:00 Uhr. Deutzer Brücke. Brückenmusik 25. Peter Ablinger. Public Litanies.

 

Die Brückenmusik – mit der vorliegenden Ausgabe nun 25 Jahre alt – ist eine der ältesten Veranstaltungsreihen akustischer bzw. elektronischer Klangkunst in Deutschland. Mit dem Hohlkörper der Deutzer Brücke wird ein Ort bespielt, der zweifellos zu einem der spektakulärsten in Köln zählt. 

 

Direkt in der Kölner Altstadt und unmittelbar am Rhein gelegen befindet sich der Eingang in die Brücke. Durch ein massives Stahltor gelangt man in einen großen Vorraum, der offenbar für die Lagerung von Hochwasserschutzelementen und tonnenweise Sandsäcken benutzt wird. Früher, so erfahre ich, war dieser Raum eine öffentliche Tiefgarage.

 

Mitten in dieser alten Garage befindet sich eine Klanginstallation Peter Ablingers. Weiss Weisslich heißt die Installation laut der Leiterin, die uns später durch die Brücke führen wird. Für die Installation wurden insgesamt zehn Boxen jeweils paarweise gegenübergestellt. So entsteht ein Klang-Korridor aus weißem Rauschen, das sich beim Passieren hörbar verändert. Die Nuancen des Rauschens erinnern dabei an die Färbung von Vokalen, die eine jeweils eigene Klangcharakteristik haben. 

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Dann wird es ernst. Wir sind zu viert in unserer kleinen Gruppe. Jeder bekommt eine Taschenlampe in die Hand. Falls wir uns unwohl fühlen oder wir nicht weitermachen möchten, sollen wir Bescheid geben, dann könne man abbrechen. Bei der knallenden Mittagshitze kann ich mir keinen angenehmeren Ort vorstellen, als das kühle Gewölbe, in dem wir uns hier aufhalten. 

 

Über einen kleinen Korridor und ein paar Treppen gelangt man dann an den schmalen Zugang zum Hohlraum der Brücke. Dieser ist so klein und eng, dass jeweils nur eine Person gebückt hindurchgehen kann. Unsere Führerin macht den Anfang. Auf der anderen Seite stellen wir uns in einer Reihe auf und blicken vorwärts in ein tiefes Schwarz. 

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Mit einer Art Schamanentrommel wird nun Public Litanies eingeleutet – eine Performance Ablingers für Prozession und Publikumsgruppen. Dabei spricht die Führerin vor, die Gefolgschaft spricht ihr nach. Im Vierer-Puls werden Silben aneinandergereiht, die teilweise Sinn ergeben, teilweise aber auch inhaltlicher Non-Sense sind, offenbar nur dem Klangerlebnis dienen. 

 

Ein wenig an eine Dada-Aktion erinnert, schreiten wir nun gleichmäßig durch den 180 Meter langen und stockfinsteren Hohlkörper der Brücke und sind überwältigt von dem gewaltigen Hall, den unsere Dada-Klänge hier auslösen. Dabei formt nicht nur das selektive Gehör, sondern scheinbar auch die Brücke selbst eine Sinnhaftigkeit im Gesagten, die sich so wahrscheinlich nur beim Erleben der Prozession nachvollziehen lässt. 

 

Auf der anderen Seite angekommen hören wir aus der Ferne, dass eine weitere Gruppe die Szenerie betreten hat. Dieser begegnen wir auf dem Rückweg, haben das Gefühl, wir würden uns selbst in der Vergangenheit beobachten. Das buchstäbliche Licht am Ende des Tunnels markiert den kleinen Ein- bzw. Ausgang. Dieser erscheint aus der Distanz fast so, als könne man ihn problemlos passieren. Aus unmittelbarer Nähe stellt man dann aber fest, dass er sich natürlich nicht verändert hat. 

 

Felix Knoblauch

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