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Fazit AchtBrücken 2019

24.05.2019

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Unter dem Motto Großstadtpolyphonie fand das diesjährige Acht-Brücken-Festival in Köln statt. In insgesamt 55 Veranstaltungen gab es 31 Uraufführungen zu hören. Mit einer Skater-Halle in Köln-Kalk, einem Rundfahrtschiff auf dem Rhein, dem sogenannten Gewölbe und verschiedenen Clubs und Ladenlokalen wurden Konzertorte gewählt, die die Neue Musik den heiligen Hallen von Philharmonie und Funkhaus entriss.

 

Einen durchaus eindrucksvollen Auftakt erlebte das Publikum in diesem Jahr in der neuen U-Bahn-Station Köln Heumarkt. Als Zuhörer bewegte man sich im riesigen U-Bahn-Gewölbe zwischen vorbeieilenden Passanten und den auf verschiedenen Ebenen platzierten Musikern, die für das komponierte Happening HÖR·FLECKEN von Gerhard Stäbler gebraucht wurden. Hier konnte man die unzähligen musikalischen und performativen Ereignisse – getreu dem Motto des Festivals – polyphon erleben. Diese Gleichzeitigkeit verschiedenster musikalischer Aktionen ist ein Merkmal der Kompositionen Stäblers. Und so wird in den HÖR·FLECKEN neu Komponiertes mit bereits Bekanntem verbunden. Wer 2015 die UA der Auftragskomposition (ebenfalls von AchtBrücken) AUSREISSEN DAMIT / ES GRÜN BLEIBT ... im Kölner Rathaus erlebte, der wird von den HÖR·FLECKEN klanglich an vieles erinnert. Spannend übrigens auch der Applaus des Publikums, der zwischendurch von unterschiedlichsten Orten zu hören war – viele der musikalischen Aktionen endeten eben nicht gleichzeitig. 

 

Schwerpunktkomponist des Festivals war in diesem Jahr Georges Aperghis. Aus dessen weit über hundert Werke umfassenden Oeuvre waren allerdings nur 18 zu hören. Erster Höhepunkt hier war sicherlich Die Hamletmaschine, gespielt von Asko|Schönberg und dem SWR Vokalensemble unter Bas Wiegers in der Kölner Philharmonie.

 

Die in Hongkong uraufgeführten City Pieces von Manos Tsangaris fügten sich ebenfalls in die Thematik „Großstadtpolyphonie“ ein. Hier war es das Ensemble hand werk, das in einem kleinen Ladenlokal nahe der Philharmonie für ein jeweils sehr kleines Publikum spielte. Nur eine Hand voll Zuhörer wurde in das Lokal eingelassen und erlebte die Musik aus nächster Nähe. Nach einigen Minuten musste man seine Plätze verlassen und wurde zu einer zweiten Station, einer Sitzgelegenheit weiter hinten im Raum geführt, während vorne neues Publikum nachrückte. So erlebte man das Werk noch einmal, allerdings aus einer völlig anders wirkenden Perspektive. Dritte Station war der Keller. Hier sah man das Konzert über einen Bildschirm und mit entsprechend verändertem Fokus. Damit jedoch nicht genug, denn der letzte Durchgang führte schließlich in das Gebäude gegenüber, von dem aus man das Geschehen aus der Ferne beobachten konnte. So distanzierte sich das Publikum immer weiter von sich selbst, bis es schließlich als außenstehender Beobachter auf seine Start-Position zurückblicken konnte. Ein Konzept, dass die Konstellation „Konzert“ und „Publikum“ durchaus auch kritisch hinterfragt.

 

Außerdem erleben konnte man bei Acht Brücken 2019 einen internationalen Kompositionswettbewerb, gespielt von electronic ID, ein Konzert von Kompositionsstudierenden der HfMT Köln auf einem Rundfahrtschiff mitten auf dem Rhein und ein Konzert von und mit Lea Letzel, Akiko Ahrendt und Dirk Rothbrust in einer Skaterhalle in Köln-Kalk, bei der die Skaterrampen nicht nur den Skatern, sondern dank der Tonabnahme auch den Musikern als Instrumente dienten. Nicht zu vergessen natürlich die Vielzahl von Konzerten in Philharmonie und Funkhaus, die sicher auch die konservativeren Konzertbesucher glücklich machten.

 

Acht Brücken 2019 hebt sich enorm positiv von den vorangegangenen Festival-Jahren ab. Hatte man bisher immer irgendwie das Gefühl, dass hier der Mut und eine gewisse Radikalität fehlten, ist es dieses Jahr durchaus beachtlich gewesen, mit wie viel Eigensinn sich das Festival musikalisch nach vorne entwickelte. Es wurden etliche innovative Projekte präsentiert, die auf noch viel mehr Offenheit und Mut in diese Richtung hoffen lassen. Acht Brücken hat hier tatsächlich Gesicht für die Neue Musik gezeigt und sich nicht vorwiegend hinter einer avancierten Avantgarde versteckt.

 

Felix Knoblauch

 

Der vollständige Bericht zum Abschluss des Festivals findet sich in der folgenden Ausgabe der Positionen

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