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Jovita Zähl im Lunch

30.11.2019

13:00 Uhr. Kunst-Station St. Peter. Pianistin Jovit Zähl. Susteck, Koepf, Zimmermann, Crumb.

 

Nachdem es mehrmals wegen Krankheit verschoben werden musste, konnte man sich heute nun auf das Lunchkonzert mit der Kölner Pianistin Jovita Zähl freuen. Die Eröffnung machte dabei das Stück Dunkel - Licht (2009) von Dominik Susteck. Hier reihen sich Tonsplitter aneinander, die durch einzelne Akkord-Schläge zusammengehalten und durch wilde Triller verbunden werden. Das Stück scheint wie gemacht für die Kirche St. Peter, winden sich die feinen Klänge doch zart durch das schlichte Gemäuer. 

 

Siegfried Koepf schreibt mit Figures for piano (2018) ein tendenziell minimalistisches Klavierwerk. Hier tastet sich die Pianistin immer dem gleichen Schema folgend voran: von einem Vierklang erklingen erst die unteren drei Töne abwärts fallend, der vierte und höchste Ton schließt die Figur ab. Dabei schweben Septimen und wärmen leise Moll-Harmonien. Teilweise klingt das Stück wie ein kontinuierlich fließender Zeitstrom, in den mittels der Klaviatur hineingegriffen wird, um einen kleinen Ausschnitt zur Betrachtung zu ergaunern. 
 

Foto: Felix Knoblauch

Romanska Bågar (2004), Walter Zimmermann, ist das dritte Stück des ersten Konzertblocks. Für einen Pianisten entstanden, dessen rechte Hand taub wurde, muss das sehr melodiöse Werk ausschließlich mit der linken Hand gespielt werden. Bässe und Oberstimmen erklingen hier quasi gleichzeitig und Linien verweben sich polyphon ineinander. Von dem Stück geht eine Ruhe aus, die nicht mit der Spielrealität der Pianistin korrespondiert, die – besonders für die Töne im Bassregister – schnell zwischen den Lagen springen muss. Dabei landet sie zum Abschluss auf einer Quinte, die wunderbar konsequent ausgehalten wird. 

 

Für den zweiten Konzertteil – Auszüge aus George Crumbs Makrokosmos I+II (1972/73) – muss der Flügel präpariert bzw. markiert werden. Nach wenigen Minuten Pause also beginnt Jovita Zähl mit den erweiterten Spieltechniken Crumbs, die auch heute immer noch aufregend klingen. Für The Mystic Chord beispielweise wird der komponierte Ton erst auf der Klaviatur angeschlagen, wenn er im Innenraum des Flügels gezupft wurde. Dadurch entsteht ein unwirklicher und schwer fassbarer Klang. Ebenso ungewohnt sind die Glissandi im Innenraum des Flügels. Zwar kann man damit heute niemanden mehr wirklich überraschen; schön sind sie trotzdem. 

 

Dream Images nennt sich der vorletzte und gewiss einer der bekanntesten Sätze des Makrokosmos I. Ein Dur-Akkord in weiter Terzlage eröffnet hier eine friedliche Klangwelt und schafft Raum für eines der berühmtesten Zitate moderner Klaviermusik: zwischen freitonalen Klängen bricht der Db-Dur-Mittelteil aus Chopins Fantaisie-Impromptu Op. 66 durch. Gerührt von der Musik braucht die Pianistin einige Sekunden, bevor sie dankend ihren wohlverdienten Applaus empfängt.

 

Felix Knoblauch

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