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ACTS 'N SOUNDS. Ensemble Garage in der Severinstraße

23.11.2019

19:00 Uhr. Severinstraße 194. Ensemble Garage. Konzertreihe: Acts 'n Sounds 01

 

Fotos: Felix Knoblauch

 Am nördlichen Ende der Severinstraße – und quasi direkt gegenüber von der gleichnamigen U-Bahn-Haltestelle – findet man ein verlassenes Wohnhaus mit der Hausnummer 194. Bevor das Gebäude zeitnah abgerissen wird, nutzt das Ensemble Garage die über drei Etagen verteilten Räumlichkeiten, um einen aus vielen kleinen Konzerten bestehenden Konzertabend zu veranstalten. 

 

Bereits beim Betreten des Treppenhauses schallen sich mischende Klänge entgegen. Man ahnt es: hier findet kein klassisches Neue-Musik-Konzert statt. Im ersten Obergeschoss angekommen findet man Frank Riedel am Altsaxophon. In einem kleinen Raum mit Stühlen für lediglich vier Personen interpretiert er Karin Rehnqvists Psam ur natten (2007). Wer keinen Platz findet, bleibt im Treppenhaus oder im Flur der Wohnung, um auf Zehenspitzen stehend einen Blick zu erhaschen. 

Von dort aus erlebt man dann auch gleichzeitig hitori/futari (2019). Das von der Schlagzeugerin/Komponistin Yuka Ohta im Zimmer direkt gegenüber gespielte Stück scheint kein Problem mit dem noch immer spielenden Saxophon zu haben. Im Gegenteil: Durch einen Lautsprecher mischt sogar noch eine dritte Musikerin mit. Ko-Komponistin Akiko Ahrendt, die im zweiten Obergeschoss inmitten eines kleinen mit Laub gefüllten Raumes sitzt und selbiges Stück spielt, wird mittels dezent versteckter Mikrofone eine Etage tiefer geschickt. So spielen beide für sich alleine, im übertragenen Live-Duo dennoch zusammen. 

 

Ensemble-Höhepunkt des Abends ist die Performance von On and Off 2 (2007) der in Berlin lebenden Britin Joanna Bailie. Hier kommen die sechs am Haus-Konzert beteiligten Musiker zusammen, um das Stück für drei Radios und drei CD-Player zu performen. Besonders die Radios sorgen für eine Menge Unterhaltung: beim von der Komponistin vorgeschriebenen Durchsuchen der unterschiedlichen Frequenzen ertönen verschiedenste Sender. Ironischerweise ist es ausgerechnet der Ausschnitt eines klassischen Orchesterwerkes, der sich hörbar an die Oberfläche kämpft.

 

 

In der hintersten Ecke des dritten Stockwerks sitzt Nils Kohler mit seiner Klarinette. Hier spielt er In Memoriam Jon Higgins (1987) von Alvin Lucier. Das Stück spielt auf beeindruckende Weise mit akustischen bzw. physikalischen Phänomenen. So besteht es im Prinzip nur aus einem ewig ansteigenden Sinuston und bestimmten Einzeltönen, die die Klarinette der Zuspielung beimischt. Besonders in dem engen Raum wirkt das intensiv. Klänge sammeln sich in den Ecken, scheinen nur durch ein Ohr hörbar zu sein, verschwinden wenn man den Kopf nur wenige Zentimeter neigt. Im Zusammenspiel von Klarinette und Tape formen sich zudem Schwingungen, die neue Töne zu erzeugen scheinen. 

 

Letztlich war der Konzertabend eine aus vielen Einzelaktionen der Ensemblemitglieder bestehende Performance, die allerdings wegen der spannenden Räumlichkeiten wahnsinnig gut funktioniert hat. Dem Ganzen wohnte zudem eine gewisse Melancholie inne, bedenkt man, dass das ehemalige Wohnhaus nun bald abgerissen wird und mit dem Konzert wahrscheinlich einen seiner letzten Dienste getan hat. 

 

Felix Knoblauch

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