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Lunchkonzert Nr. 159 – Jahreszeiten

09.11.2019

13:00 Uhr. Kunst-Station St. Peter. Lunchkonzert Nr. 159. Friedrich Jaecker. Jahreszeiten. 

 

Noch recht angenehm und tatsächlich eher warm ist dieser herbstliche Samstag, an dem das nunmehr 159. Lunchkonzert in der Kunst-Station St. Peter stattfindet. Gespielt werden Friedrich Jaeckers Jahreszeiten von Annegret Meyer-Lindenberg an der Viola und Nacht, Stille (2000) von Jaecker (hier selbst am Klavier) und Lindenberg im Duo. 

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Jaeckers Jahreszeiten sind – so erfahren wir bei einer kurzen Eröffnungsansprache – inspiriert von Texten zur Erkenntnistheorie des frühromantischen Dichters und Denkers Novalis. Das Stück Blüthenstaub (UA, 2019) bezieht sich sogar namentlich auf das philosophische Werk Novalis', das erstmals 1798 erschien. Das eher kurze Stück für Viola-Solo reiht sich ein in die feine und leise Klangästhetik Friedrich Jaeckers. Mit springendem Bogen werden hier emotionale Ausbrüche erzeugt, die im Rahmen des intimen Programms umso expressiver wirken. 

 

Die zweite Uraufführung des Konzertes ist Arom (UA, 2018). Durch den viel zu großen Saal schimmern leidvolle Melodien, die durch den immer näher zum Steg wandernden Bogen ihren lebendigen Kern verlieren, schließlich mehr hauchen als klingen. Die Musik wird gar so leise, dass sich Geräusche der Stadt ins Geschehen einmischen und dieses mitgestalten. So hört man Krankenwagen und Autos und sogar zwitschernde Vögel schallen durch die dicken Gemäuer. 

 

Dorn (2002) ist das älteste Stück aus dem Jahreszeiten-Zyklus und scheint eine Art Materialvorlage für die vier weiteren Werke zu sein. Flageoletts mischen sich mit Arpeggios und Col-Legno-Melodien deuten die gehauchte Klangsprache an, die so typisch für die Stücke des Zyklus' ist. 

 

Tonal bestätigt schließlich Knospe (2014) was auch bei Dorn und Arom schon auffiel: eine Folge aus Grundton, Quinte und oktaviertem Grundton scheint eine Art Leitmotiv für den Zyklus zu sein. Dieses "Natur"-Motiv wirkt durch seine Entlehnung des Anfangs der Naturtonreihe besonders geerdet und Naturnah. Der Beginn von Strauss' Also sprach Zarathustra ist das wohl berühmteste Beispiel für diesen Effekt. 

 

Die Bestuhlung in St. Peter ist lückenhaft und großflächig angelegt. Sie erlaubt, dass Annegret Meyer-Lindenberg nach jedem Stück ihre Position verändern kann. Sie bewegt sich durch das Publikum hindurch, spielt in der Mitte der Zuschauer, geht dann hinter das Publikum, um zum Abschluss vorne beim Duo-Partner Jaecker zu landen.  

 

Bei Nacht, Stille (2000) für Viola und Klavier ist es der Flügel, der der leisen Bratsche ein harmonisches Gerüst schenkt. Diese vollendet das musikalische Gebilde und erstmals bleibt man als Zuhörer nicht mit harmonischer Erwartung zurück. Einen friedlicheren Schluss hätte man für das Konzert kaum finden können. 

 

Felix Knoblauch

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