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MINT CONDITION von SONDER:SAMMLUNG:2

27.10.2019

18:00 Uhr. Orangerie am Volksgarten. MINT CONDITION. Theresa Hupp. Will Saunders. Oxana Omelchuk. 

 

Beim Eintreten in den kleinen Theatersaal der Orangerie am Volksgarten geht man an einer Ballwurfmaschine vorbei, von der aus Tennisbälle in Richtung von Will Saunders geschleudert werden, der hinten links am Laptop sitzt und dessen Tastatur bespielt. Wild rollen die knallgrünen Bälle durch den Saal, hüpfen manchmal über den Boden oder verleihen den längst zur Ruhe gekommenen Kollegen neuen Antrieb. 

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Die Tennisbälle, so erfahren wir, würden etwa zwei Euro das Stück kosten und im Saal befänden sich tausende davon. "Ich habe keinen Anspruch auf was ich habe, darum ist alles was ich habe gestohlen", konstatiert Hupp kurz darauf in ihrer gleichnamigen Performance und gibt damit auch einen Hinweis zum Verständnis des Musik-/Theaterabends. Saunders und Hupp wechseln dann ihr Kostüm: Der rote Rock wird ausgezogen und zu einer Art Kragen-Pullover umfunktioniert. Später wird selbiges Kleidungsstück für Saunders zur Hose und für Hupp erneut zum Rock. 

 

Ökonomisches Kapital besitzen beide nicht. So wirkt es traurig und komisch zugleich, wenn sich Will Saunders auf einen riesigen Gitarrenverstärker setzt – seine Gitarre musste er für selbigen eintauschen – und hier mit einer verstärkten Mundharmonika den Tanz von Theresa Hupp begleitet. Selbst musikalische Grundstrukturen bekommen in Saunders und Omelchuks Eating Bread and Honey: Counting is Funny einen kapitalistischen Touch. Saunders und Hupp stehen sich gegenüber und sprechen darüber, wie man musikalische Takte zählt. Hier wird der Bogen zum Geld-zählen gespannt: "Menschen können zählen, sie tun das auch und darum haben sie Geld." Fast gierig werden dann die wertvollen Tennisbälle wieder eingesammelt. 

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Hier geht es also um Besitz im weitesten Sinne. Dazu zählt auch die offensichtliche Suche der Protagonisten nach Identitäten, denn auch eine eigene Identität kann man ja in gewisser Weise besitzen. Dieses un-ökonomische Kapital wird von beiden gehandelt. Sie tauschen Geheimnisse aus, verhandeln zwischen Lied und Tanz, bleiben letzten Endes aber in ihrer durch die eigene Identität begrenzten Welt gefangen. Diese Welt – so erfährt man im letzten Stück von Saunders Call me Harry Thomasina – hat diese Identität abgesteckt. Die Figur Saunders' will die als Kind verlorene Stimme zurückhaben. Verloren ging sie bei dem Versuch, wie ein Junge zu sein. 

 

Etwas überrascht ist man als Zuschauer, als sich unmittelbar nach der Verbeugung Hupp und Saunders wieder auf ihre Startpositionen begeben und erneut das Preludium für Ballwurfmaschine Interpunktionen von Omelchuk – dieses Mal als Postludium – spielen. Die Pointe hier scheint dann doch recht bitter: Aus der ewigen Suche nach Identität gibt es keinen Ausweg, da diese auch durch einen ewig wachsenden Markt bedingt zu sein scheint. 

 

Felix Knoblauch

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