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Zett Emm_20_19

05.10.2019

13:00-19:00 Uhr. Alte Feuerwache. Zett Emm – 7. Jugendfestival für Zeitgenössische Musik. 

 

Auch in diesem Jahr veranstaltete die Rheinische Musikschule Köln das Jugendfestival Zett Emm. Das insgesamt sechsstündige Programm war dabei mit fünf Konzerten, drei Workshops, Videoinstallationen und einem öffentlichen Gespräch vielseitig gestaltet. 2018 mit der SPARDA-Musiknetzwerk Auszeichnung sowie dem Junge Ohren-Publikumspreis ausgezeichnet, konnte sich das Festival auch in diesem Jahr wieder über Kooperationen mit der Tanzakademie der RMS, KölnMusik/Philharmonie, dem WDR, dem ICEM UdK Essen, der Clara-Schumann-Musikschule, der Stuttgarter Musikschule und dem Studio Musikfabrik freuen.

 

Foto: Felix Knoblauch

 

In jeweils 30-minütigen Konzerten wurde Neue Musik u.a. von John Cage, Frank Martin, Matthias Spahlinger und Witold Lutoslawski gespielt. Dabei ging es  – wie etwa in John Cages Story aus der Living Room Music – um eine oftmals spielerische Heranführung an ungewohnte Kompositionskonzepte und Klänge. Das allerdings – und zwar ausnahmslos – auf musikalisch sehr hohem Niveau. Das von Ferdinand und Dorothea Eppendorf gespielte Subito (1992) von Lutoslawski war dafür nur eines von vielen Beispielen. 

 

Traditionell markiert das dritte Konzert des Zett-Emm-Festivals eine Art Höhepunkt: Hier werden ausschließlich Stücke von Schülern der Kompositionsklasse der Rheinischen Musikschule aufgeführt. Meditation (2018) von Christian Brandenburger ist ein Stück, das bereits im Rahmen des Preisträgerkonzertes Jugend Komponiert präsentiert wurde und für den Festival-Anlass für zwei Blockflöten und Geige bearbeitet wurde. Hier geht es um minimalistische Klanggesten, die zwischen Luftgeräuschen und zart-schnellen Bogenstrichen gereicht werden. Die Quisquilien 1-3 (2019) von Barthélemy Robinne schließen an einen minimalistischen Gedanken an. Dabei ist das Streichquartett weit davon entfernt, eine – entsprechend des Titels – Belanglosigkeit zu sein, sondern bewegt sich vielmehr auf musikalisch reifem Niveau. Und das gilt für alle Werke des Konzertes: hier wurde mit Distanz zum Material gearbeitet und der musikalische Inhalt reflektiert.

 

 Foto: Felix Knoblauch

 

Neben den Konzerten und den audiovisuellen Kompositionen und Videos des Instituts für Computermusik und elektronische Medien der Folkwang Universität der Künste in Essen gab es auch ein von Thomas Taxus Beck moderiertes Gespräch, bei dem Vertreter von allen beteiligten Gruppen anwesend waren. Die Tänzerinnen erzählten hier beispielsweise, wie sie sich auf die Suche nach Bewegungen machten und dazu musikalische Gesten analysierten. Die anwesenden Komponisten berichteten von ihrer Suche nach Klängen und was sie bei Ihrer Arbeit inspiriert. Zeitgenössische Musik wird hier auch durchaus kritisch diskutiert, besonders wenn es um die Begrifflichkeit der sog. Neuen Musik geht. Dass jede Epoche ihre neue Musik hat, nur die Neue Musik heute eigentlich nicht mehr unsere tatsächlich zeitgenössische, sondern eine nunmehr mindestens ein halbes Jahrhundert alte Musik beschreibt, ist dabei allen Beteiligten klar.

 

Der Geiger Mats Thiersch konstatiert, dass er Dissonanz zwar nicht angenehm finde, durchaus aber immer wieder von den vielen Ideen beeindruckt sei, die in der sog. Neuen Musik zusammenkämen. Hier wird dann auch passend formuliert, warum Neue Musik heute bei vielen Menschen eher schlecht ankommt: Bereits die Programmzusammenstellung der großen Konzerthäuser ordne die zeitgenössische Musik auf einer falschen Ebene ein. Man könne nicht erwarten, dass sich die Menschen, die Mozart hören wollen, darüber freuen, dass sie das erst dürfen, sobald sie ein zeitgenössisches Werk erduldet haben. 

 

Taxus Beck fragt abschließend in die Runde, ob – und wenn ja, warum – ein Jugendfestival für zeitgenössische Musik wichtig sei. Bei der mich nachdenklich stimmenden Antwort sind sich alle einig: Als Jugendliche und Jugendlicher wolle man sich emotional entfalten. Dabei helfe nicht das enge Korsett einer klassischen Tradition, da diese den eigenen Ausdruckswillen beschränke. In zeitgenössischer Musik finde man die Freiheit des Ausdrucks und eine emotionale Sprache, die die Sprache unserer Zeit sei. 

 

Felix Knoblauch

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