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CELLOIMPRO+ in St. Gertrud

07.09.2019

13:00 Uhr. St. Gertrud. Celloimpro+. Anne Krickeberg, Walter L. Mik, Nike Seifert. Loop Station: Nicola Müllers alias niclamue.

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr improvisiert das Trio Celloimpro+ in der quasi ausgemusterten Kirche St. Gertrud. Der Kirchengemeinde St. Agnes zugehörig finden in den brutalistischen Hallen St. Gertruds kaum mehr Gottesdienste statt. Das mit dem Kölner Architekturpreis ausgezeichnete Gebäude wurde 1960 von Gottfried Böhm entworfen und dient heute vorrangig als Ausstellungs- und Begegnungsstätte. 

 

Das aus drei Celli und Nicola Müllers als Sängerin an der Loop Station bestehende Quartett beginnt seine Improvisation recht zurückhaltend. Lang gestrichene Töne schichten sich übereinander und schaffen eine moll-tonale Atmosphäre, die mit der Überakustik der Kirche korrespondiert. Müllers gibt zu Anfang eine Art Obertongesang hinzu, der hier die sakrale Stimmung zugunsten einer tief meditativen Anmut auflöst. Erinnerungen an Pauline Oliveros' Deep Listening werden geweckt. 

 

Besonders spannend sind die Klangschichtungen der Celli in Kombination mit der von der Sängerin benutzten Loop Station. So wie die Instrumentalist*innen ihre Töne zu dramatischen Klängen aufbauen, gelingt genau das auch Müllers. Mit ihrer Loop Station schichtet sie live eingesungene Töne übereinander, um diese dann im passenden Moment gleichzeitig wieder abzuspielen. Hier entsteht der Eindruck, als würde der Cello-Formation ein kleiner Chor beitreten. 

 

Da St. Gertrud in unmittelbarer Nähe des Hansarings liegt und auf der gegenüberliegenden Seite an die Krefelder Straße grenzt, müssen die Musiker mit Geräuschen von vorbeifahrenden Zügen oder Autos rechnen, wenn sie hier Konzerte spielen. Mit bewusst offen gehaltener Eingangstür scheint man den Geräuschpegel geradezu heraufzubeschwören. Im Innenhof hört man eine Hake über Pflasterstein kratzen, später eine Schaufel, die kleine Steine zu verteilen scheint. 

 

Alle diese Geräusche fügen sich ein in die meist moll-tonale Schichtung aus lang gestrichenen Celloklängen. Der Konzertraum ist nicht, wie sonst üblich, versiegelt und abgeschlossen. Viel eher entsteht hier eine fluktuierende und durchlässige  Atmosphäre, eine Klangwelt, die nicht nur sich selbst dient, sondern ein kleiner Ausschnitt aus einem ohnehin immer vorhandenen städtischen Klangstrom zu sein scheint. Es war, als griffen die Musizierenden auf den Grund eines seichten Flusses, um dem Publikum einen wunderbar glatt geschliffenen Stein zu präsentieren und diesen dann nach kurzer Bewunderung wieder dem Gewässer zu überlassen. 

 

Felix Knoblauch

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