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Chamber Remix Cologne

01.09.2019

17:00 Uhr. Kunsthaus Rhenania. Trio Rodenkirchen Lee Ilgenfritz. Ephraim Wegner. Hannes Hoelzl. Chamber Remix Cologne. 

 

Mit einem der ersten Neue-Musik-Konzerte nach der Sommerpause begrüßt uns das Trio Norbert Rodenkirchen (Traversflöten), Robbie Lee (ver. Flöten, Sopransaxophon) und James Ilgenfritz (Kontrabass) im Kunsthaus Rhenania. Hier gastieren die Musiker in der von Albrecht Maurer (Crossover Bagdad) kuratierten Reihe Chamber Remix Cologne.

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Die Formation stellt eigene Stücke vor, die sich im Kontinuum zwischen Improvisation und Komposition bewegen. Bezug nimmt man dabei auf eine offenbar vorher Abgestimmte formale Struktur, die im Konzert interaktiv interpretiert wird. Besonders spannend wird es, wenn sich das Trio beispielsweise Mille Regretz von Josquin Desprez zuwendet. In der hier gehörten Bearbeitung, vom Kontrabass eröffnet, fällt das schnelle Wechselspiel großer und kleine Terzen auf. Dieser an eine Tonalität grenzende Raum schafft Platz für die beiden Flöten, die das neue Konstrukt naturtonartig begleiten.

 

Der erste Teil des Abends endet mit dem sog. The Last Piece – einer Eigenkomposition des Trios. Nach auftaktigen Glissandi der historischen Holzbläser beginnt der Kontrabass mit seinem Bogen auf den Steg zu klopfen und somit eine autark rhythmische Struktur zu etablieren. Nach kurzer Durchführung endet das neutonale Stück überraschend mit vermeintlich picardischer Terz, was dem Ende hier eine wunderbar heitere und helle Dur-Strahlkraft verleiht.

 

Der zweite Teil des Abends soll nun dem Titel der Konzertreihe alle Ehre bereiten. Hier sind Ephraim Wegner und Hannes Hoelzl eingeladen, das von ihnen zuvor mitgeschnittene Konzert live zu remixen. Dabei spielen sie erst jeweils ein Set alleine. Wegner, der derzeit eine Professur in Freiburg innehat, arbeitet – so wurde es bei der Anmoderation erklärt – mit analytisch funktionierender Software. Aus einer Spektralanalyse der Aufnahmen werden Klänge abgeleitet, die hier zum neuen Grundmaterial werden. Dabei fühlt man sich an so mancher Stelle an Stockhausen-Klänge erinnert.

 

Hannes Hoelzl – künstlerischer Mitarbeiter an der Universität Graz – verfremdet das vorhandene Material nur wenig. Eher ordnet er es neu an, überlagert es und fügt bestimmte Hall-Effekte hinzu. Das Gebilde bleibt dabei stets in Bewegung, was wahrscheinlich dem neuartigen Interface zu verdanken ist, das Hoelzl wie eine Art Lenkrad in der Hand hält und das flexibel auf Bewegung zu reagieren scheint.

 

Abgeschlossen wird das Konzert mit einem Duo-Remix. Dabei scheint sich ein musikalischer Höhepunkt an den nächsten zu reihen und eine dynamische Welle der nächsten zu folgen. Hier wird nun auch der Subwoofer spürbar, der den Saal samt Zuhörer zum Zittern bringt. Wegner, der vergeblich versucht Kontakt herzustellen, trifft dabei auf einen Duo-Partner, der völlig vertieft in seine Arbeit ist und jedwede Verbindung zu seiner Umwelt verloren hat. Da es vielen im Publikum wohl genau so geht, scheint Wegner das zugunsten der Musik durchgehen zu lassen und ordnet sich widerstandslos unter.

 

Die Reihe Chamber Remix Cologne findet regelmäßig im Kunsthaus Rhenania statt. Der Initiator Albrecht Maurer macht es sich dabei zur Aufgabe, hochkarätige Kammermusiker einzuladen, die im ersten Teil ihr Programm präsentieren, das dann im zweiten Teil elektronisch verarbeitet wird. Am 6. Oktober trifft man hier auf das Kelemen Quartett, das Bartók und Schubert spielt. Dabei werden die Streichbewegungen der Musiker mittels Sensoren aufgezeichnet und im zweiten Set dann von Jono Podmore und Roland Dill als Live-Remix verarbeitet.

 

Felix Knoblauch

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