© 2017 ON - Neue Musik Koeln e. V.

  • Facebook B&W
  • Twitter B&W

NASSSAU – Brückenmusik 25

04.07.2019

20:00 Uhr. Deutzer Brücke. NASSSAU. 

 

Foto: Felix Knoblauch

 

 

Der Eingangsbereich der Deutzer Brücke diente am Konzertabend nicht als Vokalschleuse – so war es bisher für die Führungen mit Peter Ablingers Public Litanies vorgesehen –, sondern als Empfangsbereich für die wartenden Konzertgäste. Dass der Abend offen und locker ablaufen würde, begriff man spätestens als sich Musiker der Band kurz vor Konzertbeginn auf den Weg machten, um Abendessen zu kaufen. 

 

Einen Einlass oder ein sichtbares Zeichen, dass die Veranstaltung nun startet, gibt es nicht. Stattdessen vernimmt man leise summende Singstimmen aus dem hinteren Bereich des zur Konzerthalle umfunktionierten Brückeneingangs. Den Klängen folgend findet man die Band – oder das Ensemble? – NASSSAU teils stehend, teils auf dem Boden sitzend die schwebenden Dreiklänge erzeugen. Diese Einleitung wirkt meditativ, hat durch seine Bordunklänge fast etwas spirituelles. 

 

NASSSAU setzt sich zusammen aus zwei Bässen, zwei E-Gitarren, zwei Keyboards, einem Schlagzeug, einer Flöte und Gesang. Übergeleitet in einen vollbesetzten Instrumentalteil wird vom Schlagzeug, das durch Kratzen mit den Drumsticks auf einem Becken schreiende Klänge erzeugt und Raum abseits des Vokalparts eröffnet. Dabei fällt vor allem die Gitarre auf, die repetitiv immer das gleiche Motiv wiederholt und damit die Grundlage, das Leitmotiv, für das erste von zwei Sets schafft. 

 

Foto: Felix Knoblauch 

 

 

Durch geschicktes Addieren von Klangeffekten steigert sich die musikalische Intensität. Alles wird immer voller, immer lauter. Dabei nehmen sich die Musiker*innen einiges an Zeit, was dem Publikum die Chance gibt, sich in eine Art Trance-Zustand zu schaukeln. Stellenweise erinnert mich der Aufbau an die riesigen Formen eines Pink-Floyd-Songs. Setzen dann Bässe und Drumset ein, bekommt die Musik ein mächtiges Fundament, dem sich scheinbar nur wenige der Zuhörer*innen entziehen können. 

 

Die Band wirkt hier nicht zuletzt körperlich auf das Publikum ein: Stellenweise sind die Bässe so laut und intensiv, dass man von der Musik nichts mehr mitbekommt. Ehrlich gesagt kann man auch die Bässe nicht wirklich hören. Hier fühlt man eher die Gewalt der Verstärkung, die den gesamten Raum in Vibration versetzt. 

 

Im zweiten Set fällt die Aufmerksamkeit zurück auf die Stimme einer Musikerin. Ihr Gesang wird verfremdet und klingt, als würde eine Talkbox benutzt. Dieser sanft verzerrte Klang erinnert ein wenig an die metallisch helle Farbe einer Sitar und gibt der Musik an dieser Stelle ihre meditative Anfangswirkung zurück. 

 

Aber auch hier gewinnt die Musik ihre Kraft aus den andauernden Repetitionen und den Additionen anderer Instrumente oder Effekte. Erneut schraubt sich das Geschehen dynamisch in die Extreme, minimale Änderungen der Repetitionen helfen bei der dynamischen Steigerung. Insgesamt auffällig: Fast immer bewegen sich die Stücke in einem Dreier-Puls. Die Musik bleibt so trotz der vielen Wiederholungen dynamisch und flexibel. Die Lust am Mitschwingen bleibt damit erhalten. 

 

Felix Knoblauch 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Please reload

 On ColognE 
 folgen: 
  • Facebook B&W
  • Twitter B&W
 Kategorien: 
Please reload

 Ältere Artikel: 

05.10.2019

Please reload