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Soundings #018: Das Kopfhörerkonzert

27.06.2019

20:00 Uhr. KHM. Soundings #018. Seppo Gründler. Josef Klammer. Das Kopfhörerkonzert.

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Josef Klammer ist ausgebildeter Fotograf und Schlagzeuger. Als Klangkünstler macht er Musik für Radio und Film und stellt Klanginstallationen weltweit aus. Zusammen mit Seppo Gründler bildet er das Duo Klammer&Gründler. Die in Graz beheimateten Musiker werden international als Pioniere der elektroakustisch-improvisierten Musik gehandelt. Gründler selbst hat neben dem PhD in Medizin eine Gastprofessur in Sound-Design an der Donau-Universität Krems.  

 

Dem Kopfhörerkonzert liegt eine ungewöhnliche Idee zugrunde: Ein Klang verändert sich auf dem Weg von seinem Entstehungsort hin zum Hörer. Die Schallwellen sind u.a. der Raumakustik unterworfen, weshalb der Klang an jedem Ort des Raumes anders wahrgenommen wird. Außerdem ist es selbst mit einer Vier-Kanal-Anlage nur eingeschränkt möglich, eine exakte räumliche Ortung der Klangereignisse vorzunehmen. Binaurale Kopfhörertechnik hat dieses Problem nicht bzw. nur bedingt. Hier können Klänge und deren räumliche Verortung elektronisch simuliert werden.

 

Nun sitzen beide Musiker an einem kleinen Tisch auf der Bühne, ihre Ausrüstung – so berichten sie im Vorfeld – lässt sich klimaneutral, also mit dem Zug, transportieren. Die Technik umfasst nicht viel mehr als einen Verstärker für die vielen Kopfhörer, zwei Computer, einen Joystick, Wii-Controler, eine Reise-E-Gitarre und Utensilien wie Mini-Ventilator und E-Bow. Wir setzen die Kopfhörer auf. 

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Sofort fällt die unglaubliche Nähe zum Klang auf. Die Musik – teilweise Midi-Sounds, die an Computerspiele der 80er erinnern – ist nicht so abstrakt und fern wie man es von rein akustischer Musik oder der Verstärkung einer Anlage gewohnt ist. Man taucht förmlich ein in die Klänge von E-Gitarre und Schlagzeug, die mittels des Joysticks beliebig im virtuellen Raum platziert werden können. Das Ganze entwickelt sich so zu einer auditiven Plastik.

 

Besonders spannend ist, wie Josef Klammer mit zwei Wii-Controlern als Drumsticks ein virtuelles Schlagzeug spielt. Gepaart mit Gründler, der seiner Gitarre einen Verzerrer aufbürdet, wird es hier dann sogar noch richtig rockig. Manchmal setzen Zuhörer die Kopfhörer kurz ab. Beide Musiker bewegen sich dann stumm, schlagen in die Luft oder stellen irgendetwas am Computer ein. Außer dem Clicken von Tasten und dem Ablegen von Spielutensilien – manchmal das Hämmern von Sticks auf dem Drumcomputer – hört man tatsächlich nichts. Das ist irgendwie absurd gleichzeitig aber so wahnsinnig spannend mitzuerleben. 

 

Aus den musikalisch deutlichen patterns entwickelt sich das Gebilde zu einer improvisierten Klangfläche, der nun auch Klänge einer Mundharmonika beigemischt werden. Hinzu kommen Luft- und Atemgeräusche, die mittels eines kleinen Handmikrofons in den Computer gelangen. Hier wird es dann fast ein bisschen unheimlich: Es klingt, als würde Klammer direkt neben mir sitzen und völlig erschöpft in mein Ohr atmen. Da jeder seinen eigenen Kopfhörer hat, entsteht anfangs der Eindruck einer Isolation oder Abkapselung eines jeden Einzelhörers von der Gruppe. Im Gespräch nach dem Konzert wird aber deutlich, dass genau Gegenteiliges eigentlich der Fall ist: Da jeder exakt die gleiche Hörerfahrung gemacht hat, ist die Gruppenerfahrung hier umso intensiver. 

 

Felix Knoblauch

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