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Montagskonzert Musikfabrik

17.04.2019

8/4/19. 20:00 Uhr. Studio Ensemble Musikfabrik. Montagskonzert kuratiert von Ulrich Löffler. Stücke von Henry Cowell, Joseph Andrew Lake, Rebecca Saunders, Lisa Streich und Enno Poppe. 

 

Beim Montagskonzert in der Musikfabrik stand dieses Mal das Klavier im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ulrich Löffler ist – neben Benjamin Kobler – Pianist des Landesensembles (NRW) und war für den Abend als Kurator verantwortlich. Höchstselbst eröffnete er das Konzert mit einem Schlüsselwerk der Neuen Musik. Aeolian Harp (1923) von Henry Cowell wurde hier seicht im Innenraum des Flügels gezupft und arpeggiert. Mit seinen zarten Resonanzen legte das Stück gleichzeitig den programmatischen Grundstein für die folgen Werke.

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Zwar weniger zart, dafür aber umso fokussierter auf die Potenziale des resonierenden Klavierklanges präsentiert sich das 2013 entstandene Stück shadow von Rebecca Saunders. Bei diesem Solo kommen sämtliche Spielarten der modernen Klaviertechnik zum Einsatz. Cluster schlagende Unterarme werden kombiniert mit auf die Tasten knallenden Handflächen. Die Cluster Klänge werden kurz angeschlagen und dann geschickt mit dem Haltepedal eingefangen. Im musikalischen Zusammenhang scheint es, als würde so der Kern der Akkorde zu resonieren beginnen und den ganzen Raum in Schwingung versetzen. Diese Klangeffekte treffen auf die dynamische und rhythmische Brutalität einer Ustwolskaja, was Saunders' Werk hier eine besonders eingängige Note verleiht. 

 

Dynamisch völlig diametral angelegt ist Lisa Streichs SAFRAN (2013). Das Duo für Geige und motorisiertes Klavier wird besonders durch die selbstgebaute Erweiterung im Klavierinnenraum interessant. An einem rotierenden Stab wurden Plastik-Zungen befestigt, die – ähnlich wie bei Cowell – über die Klaviersaiten streichen und so arpeggierte Akkorde erzeugen können. Die Geschwindigkeit der Arpeggios bestimmt der Pianist mit Hilfe eines Motors, der den Stab mit den Zungen entsprechend schnell ankurbelt. Durch stummes Drücken der Tasten sind so unterschiedliche Akkorde in unterschiedlichen Lagen zu erreichen. Wenn dann Hannah Weirich mit ihrem Col legno auch aus der Geige Arpeggien heraus haucht,  dann entsteht ein instabil und verletzlich klingendes musikalisches Gebilde, dem durch den ein oder anderen Moll-Akkord eine schrecklich schöne Tragik verliehen wird. 

 

epiphanous, dim (2019) wurde für die Musikfabrik komponiert und verlangt sowohl den drei Musikern – Dirk Wietheger erweitert mit seinem Cello das Duo zum Trio – als auch dem Publikum einiges an Aufmerksamkeit ab. Das Stück des Amerikaners Joseph Andrew Lake erinnert in Teilen an eine Tradition der New York School. Hier gilt es, das minimalistische musikalische Material genauestens zu erforschen und seine Entwicklungen im Stück nachzuvollziehen. So erklingen im Klavier etwa Flageoletts, die – bei den Materialschlachten am modernen Klavier überhört man das fast immer – durch die gleichschwebende Stimmung ja im Zusammenhang leicht verstimmt sind. Die so entstehenden Klänge und Resonanzen werden vom Trio aufgenommen, beantwortet und hochkonzentriert weiterentwickelt. Um diesen feinsten Entwicklungen zu folgen ist ein Maß an Konzentration erforderlich, dem einige der Konzertbesucher ganz offensichtlich nicht gewachsen sind. Wo der Alltag immer lauter, schneller und gleichgültiger wird, bekommen Stücke wie epiphanous, dim eine immer größere Bedeutung. 

 

Enno Poppes Trauben (2004-2005) macht sich aufsteigende Glissandi in Geige und Cello zum musikalischen Hauptthema. Begleitet wird das mit den Namensgebenden Clustern – eben Ton-Trauben – im Klavier. Anfangs klingt das ulkig und komisch, nach ein paar Minuten dann irgendwo nur noch albern. Mit seiner Besetzung kann das Werk auch als Abgesang einer bürgerlichen Hochkultur verstanden werden. Hier wird das Klaviertrio in seiner traditionellen Form bloßgestellt, das aber auf hochvirtuose Weise. Und irgendwie macht das doch auch Spaß. 

 

Abschließend kann man sagen: Bei dem Konzert stimmte alles. Das Programm war schlüssig, die Inszenierung war passend und die Musiker – allen voran Ulrich Löffler – traten sympathisch auf. Erlebt hat man hier eines der besten Montagskonzerte der Musikfabrik seit langem. 

 

Felix Knoblauch

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