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Conductor Collider

02.04.2019

20:00 Uhr. Studio Ensemble Musikfabrik. Conductor Collider Abschlusskonzert. Seung Hyun Baek, Johannes Marsovszky, Gábor Hontvári, Gabriel Venzango.

 

Composer Collider ist die Reihe der Musikfabrik, bei der das Landesensemble in Kooperation mit jungen Kompositionsstudierenden deren Werke erarbeitet und zur Aufführung bringt. Der Deutsche Musikrat veranstaltet nun zum ersten Mal sein Dirigentenforum – eine Plattform zur Förderung junger Dirigenten – zusammen mit der Musikfabrik unter dem Titel Conductor Collider

 

Das Konzept lässt sich als Workshop verstehen, bei dem den Dirigenten die Möglichkeit geboten wird, fünf Tage lang mit einem professionellen Ensemble für zeitgenössische Musik und unter der künstlerischen Leitung von Prof. Rüdiger Bohn (Düsseldorf) Neue Musik einzustudieren. 

 

Eröffnet wurde der Konzertabend mit Edgar Varèses Octandre (1923), dirigiert von Seung Hyun Baek. Baek studiert an der Hochschule für Musik in Nürnberg. Er selbst kam als Nachrücker in das Collider-Projekt und hatte lediglich zwei Wochen Zeit, das Werk einzustudieren. Umso erstaunlicher die Präzision, mit der er das hoch konzentrierte Ensemble leitet.

 

Foto: Felix Knoblauch 

 

Nicht immer ganz aufmerksam waren die Musiker bei Rebecca Saunders a visible trace (2006). Das sehr getragen leise Werk verleitet durch seine ineinander fließenden Klänge dazu, völlig in der Musik aufzugehen, den Fokus auf den Dirigenten dadurch aber zu verlieren. Die Folge: Plötzliche Schläge fallen stellenweise gar selten perfekt zusammen. Johannes Marsovszky – mittlerweile freiberuflicher Dirigent – weiß mit den träge werdenden Musikern aber durchaus überzeugend umzugehen. Besonders sein klarer und eckig strukturierter Stil schafft hier Durchblick. 

 

Mark Andres Ni (2006) besteht aus insgesamt sieben Sätzen, die allesamt extrem empfindlich im Zusammenspiel sind. Hinzu kommt das musikalisch rudimentäre Material, das die Musik zu einem extrem feinen und zerbrechlichen Gewebe macht. Dass Andres Werk nicht auseinanderfiel, verdankte es maßgeblich dem Studenten Gábor Hontvári. Schade lediglich, dass die Resonanzen der stumm gedrückten Akkorde des Klaviers im dritten Satz – Oboe und Klarinette spielen hier demonstrativ in den Flügel – wegen des verwischenden Haltepedals nicht gut zur Geltung kommen. 

 

Abschlussstück des Konzertabends war Iannis Xenakis Thallein (1984), das mit einem zerschmetternden Auftakt beginnt. Gabriel Venzango – Kapellmeister am Mecklenburgischen Staatstheater – macht besagtem Auftakt mit seinem Dirigat alle Ehre. Das rhythmisch komplexe Werk wird hier nicht nur zum Hör-, sondern auch zum Sehgenuss. 

 

Obwohl keiner der anwesenden Teilnehmer des Dirigentenforums bei Rüdiger Bohn studiert hat, ist allen die Arbeit mit Bohn deutlich anzumerken. Ein spätromantisch rundes Dirigat ist bei vielen zeitgenössischen Werken oft irritierend und wirkt unter Umständen gar kontrapunktisch zur Musik. Von diesen künstlichen Romantifizierungsversuchen sind Bohn und seine Schüler glücklicherweise weit entfernt. 

 

Felix Knoblauch

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