Ensemble Inverspace - Tetralogie

04.04.2019

20:00 Uhr. Alte Feuerwache. Ensemble Inverspace. Sarah Nemtsov. Raphaël Languillat. Wolfgang Heiniger. Raphaël Cendo.

 

Zum zweiten Mal bespielt das Ensemble Inverspace die Bühne der Alten Feuerwache. Zum zweiten Mal steht hier auch Sarah Nemtsov auf dem Programm. Nun aber mit der deutschen Erstaufführung eines speziell für das Ensemble geschriebenen Werkes. Void-imaginings heißt das Stück, das hier zum Abschluss der Tetralogie-Tour (zuvor UA mit zwei Konzerten in der Schweiz) in Anwesenheit der Komponistin präsentiert wird. 

 

Foto: Felix Knoblauch 

 

Das Stück für vier Schlagzeuger (ein echter und drei Performer) wird besonders durch die flexible Mikrofonierung spannend. Hier gibt es Mikrofone, die hängend über den Becken montiert sind und wie ein Pendel von den Musikern in Bewegung gesetzt werden können. Pendeln diese Mikrofone nun über die klingenden Becken, dann entsteht eine Art Panning-Effekt, der die tiefen Bass-Frequenzen mittels Vier-Kanal-Anlage in alle Ecken des Raums schickt. 

 

Weitere Maßnahme, um die Elektronik als Kammermusikpartner gleichwertig zu machen, sind Mikrofone, die an den Schlägeln der Performer montiert sind. Diese können den Klang der gespielten Klangschalen, Gongs, Wood Blocks und Flaschen flexibel abnehmen. Das klingt dann nach Gamelan-Orchestern, die ihr Instrumentarium mit Elementen des Drumsets erweitert haben, verliert dennoch nicht seinen spirituellen Charakter, da die Klänge permanent durch den Raum fluktuieren. 

 

Raphaël Languillats Stück \ RGB / (air strike) (2019) hebt sich vom restlichen Programm durch sein Video ab. Zu sehen gibt es hier die Horizontanzeige (sog. künstlicher Horizont) eines Flugzeugs. Später soll man erfahren, dass es sich hier um ein Kampfflugzeug handelt. Immer wieder gibt es – leider ziemlich unverständliche – Gespräche über Funk, die bruchstückhaft auf einen Konflikt in Serbien hindeuten. RGB bezeichnet einen additiven Farbraum. Hier werden Farben aus den drei Grundfarben rot, gelb und blau gemischt. Neben flackernden Lichteffekten, immer wiederkehrenden Countdowns auf der Leinwand und bizarr verzerrten Atemgeräuschen von Flöte (Maruta Staravoitava) und Saxofon, ist es besonders das surreal wirkende Radar-Piepen des Samplers (Clemens Hund-Göschel) – dieser scheint übrigens das Geschehen auf der Leinwand zu steuern –, das dem Stück eine schwer fassbare Note verleiht. 

 

Wolfgang Heinigers Stück Heimat III (2018) solle mit Humor genommen werden. Zumindest weist der Saxofonist des Ensembles (Patrick Stadler) darauf hin. Bereits zu Beginn des Werks verkündet eine Stimme, dass es nach Fleisch, Feuer und Trümmern riechen würde. Wenn es so rieche, dann wolle entsprechender Erzähler dort nicht zu Hause sein. Nach kurzem Auf und Ab im Ensemble erlebt man ein längeres Solo für Klavier mit Synthesizer. Der Pianist spielt beide Instrumente gleichzeitig und einstimmig. Der Clou: Der Synthesizer ist deutlich verstimmt und lässt die Einstimmigkeit in einer beißenden Schwebung erklingen. „In meiner Heimat soll der Abfall nach mir riechen.“, verkündet die Stimme vom Anfang, bevor das merkwürdige Stück schließlich sein Ende findet. 

 

Die deutsche Erstaufführung von Raphaël Cendos Control (2017) ist ein echter Rausschmeißer. Hier donnert der Pianist mit durch Handschuhen geschützten Handflächen einen fulminanten aus Clusterglissandi bestehenden Auftakt in den Raum. Der Schlagzeuger João Carlos Pacheco bearbeitet ein massives Donnerblech mit zwei brachial wirkenden Metallstangen.  In den wenigen leisen Passagen bemerkt man, dass das Stück verstärkt ist und dadurch das resonierende Instrumentarium passiv Klang produziert, mit dem dann die Flöte kommunizieren kann. Ehe man sich versieht, ist das Stück dann aber auch schon wieder vorbei. 

 

Felix Knoblauch

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