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250 piano pieces for Beethoven

26.03.2019

20:00 Uhr. Kammermusiksaal Beethoven-Haus Bonn. Susanne Kessel. 250 piano pieces for Beethoven. 

 

250 piano pieces for Beethoven ist ein Projekt, das die Pianistin Susanne Kessel 2013 zu Ehren des 250. Geburtstags Beethovens eigeninitiativ ins Leben rief. Die Idee dabei: Es sollen zeitgenössische Klavierstücke entstehen, die sich mit dem Werk Beethovens auseinandersetzen. Dazu beauftragt die Pianistin weltweit 250 Komponisten aus unterschiedlichsten Genres. Der Todestag Beethovens war nun Anlass, das Projekt in Form eines von Rainer Nonnenmann moderierten Konzertes im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses vorzustellen. 

 

Foto: Felix Knoblauch

 

Der 26. März ist ein besonderes Datum. 1778 gab Beethoven an diesem Tag in Köln sein erstes Konzert. Mit 56 Jahren stirbt er am Jahrestag seines Debüts. Er hinterlässt Kompositionen, die in vielerlei Hinsicht zu Schlüsselwerken späterer musikalischer Epochen wurden und die bis heute Relevanz für unser grundsätzliches Verständnis von Musik haben. Entsprechend funktioniert der Konzertabend: ausgewählten klassischen Werken werden zeitgenössische Kompositionen gegenübergestellt, die sich – mal mehr, mal weniger hörbar – auf ihre klassischen Vorgänger beziehen. 

 

Die Uraufführung Silvio Foretićs [diese] Töne ist hier pragmatisches Beispiel. Das Stück verarbeitet thematisches Material der 9. Symphonie, entwickelt aber eine gänzlich eigene Vorstellung musikalischer Durchführung, die derart intensiv ist, dass mit der flachen Hand geschlagene Cluster im Bassregister nur konsequent erscheinen. Anders als bei Beethoven, der – bildlich gesprochen – zu Beginn seiner Werke nicht die Angewohnheit hat, die Tür sachte und vorsichtig zu öffnen, sondern diese lieber eintritt, erlebt man diesen Effekt bei Foretić am Ende. Hier ist es der Komponistenkollege Dietmar Bonnen (mit dem Stück Rote Beete später auch noch zu hören), der plötzlich auf die Bühne stürmt und das Stück mit seinem, zwar durch die Partitur vorgeschriebenen, dafür aber nicht minder unvermittelten, Gesang beenden soll. 

 

Auf der Suche nach Komponisten lässt Susanne Kessel auch den Komponisten-Nachwuchs nicht aus den Augen. Durch Jugend komponiert etwa wurde und wird die Bonner Pianistin aufmerksam auf eine neue Generation komponierender Musiker. Sechs Werke junger Komponisten im Alter zwischen 15 und 18 Jahren kamen zur Aufführung. Auch wenn die Werke im Prinzip alle eine reflektierende Distanz zum Material vermissen lassen, teilweise pubertär klingen – hier wird mit Metallstäben klopfend der Flügel erkundet oder sich von einem seufzenden Vorhalt in den nächsten gestürzt – hat man es hier mit förderwürdigem Potenzial zu tun, das sich mit fortschreitendem Alter gewiss weiter entfalten wird.

 

Der letzte Programm-Block des gut dreistündigen Klavierabends wird mit Auszügen aus den Diabelli-Variationen op. 120 eröffnet.  Arnold Schönberg führt op. 120 als Beispiel für das Prinzip der entwickelnden Variation an. Hier entwickeln sich die einzelnen Sätze nicht mehr ausschließlich im Bezug auf ihr Thema, sondern auch im Bezug zueinander. Sandeep Bhagwatis Uraufführung ...diabellissimo... macht sich dieses Prinzip in konzentrierter Form zu eigen. Er entwickelt ein aus 33 Takten bestehendes Werk, bei dem sich jeder Takt mit entsprechendem Satz der Variationen Beethovens auseinandersetzt. Das ist gut zu wissen und schwer zu hören. 

 

Mike Garsons Pathétique Variations ist das vorletzte Werk des Abends. Der Keyboarder und ausgebildete Pianist ist wahrscheinlich am ehesten für seine Zusammenarbeit mit David Bowie bekannt. Entsprechend reihen sich seine Variationen in einen eher popmusikalischen Kontext ein. Ein durchaus seichter, dafür aber nicht minder schöner Hörgenuss. Nur konsequent, dass Susanne Kessel den Abend dann mit Beethovens Adagio aus der leichten Sonate WoO51 beschließt.

 

Felix Knoblauch 

 

 

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