Simon Martins „Musique d'art“

20:00 Uhr. Musikfabrik im Mediapark. Simon Martin: Musique d'art pour violon, alto, violoncelle, contrabasse et traitement. Sara Cubarsi, Axel Porath, Dirk Wietheger, Florentin Ginot.

Auf einem Podest in der Mitte des Studios sind die vier Streicher der Musikfabrik platziert. Kontrabass, Cello und Geige, Bratsche sitzen sich dabei gegenüber. Das Quartett wird in ein warmes Licht getaucht, das sich im Verlauf des knapp einstündigen Werkes ins bläulich Kalte entwickelt. Die Beleuchtung scheint hier mit dem thematischen Grundmaterial zu korrespondieren.

Foto: GB

Dieses Grundmaterial sind im Prinzip Quart- bzw. Quintschichtungen, die sich im Laufe der Zeit beinahe spektral zu entwickeln scheinen. Das Cello gibt zu Beginn den Grundton vor. Die Bratsche ergänzt die darunterliegende Quarte, der Kontrabass entsprechend wieder den Grundton. Durch diesen – völlig ohne Vibrato gespielten – Quartteppich entsteht eine archaische Klanggrundlage, die von der Geige als Ansatzpunkt für melodische Gestaltung genutzt wird.

Das extrem geerdete Quartmotiv wird im Laufe des Stücks an einigen Stellen aufgebrochen. Das geschieht in der Regel unter Rückgriff auf Tonmaterial der Naturtonreihe. Das archaisch Trockene bekommt hier ein wenig Farbe, verbleibt aber aufgrund des Materials unweigerlich in seinem vordefinierten Klangcharakter. Daran können auch die wenigen melodischen Ausbruchsversuche der Geige kaum etwas ändern.

Beschriebenem Klangeindruck steht der Gebrauch der Vier-Kanal-Saalanlage gegenüber. Hier fällt auf, dass besonders der Kontrabass mittels Live-Elektronik aufgezeichnet und verstärkt abgespielt wird. Ist das der Fall, wirken entsprechende Abschnitte besonders warm und massiv, obgleich man natürlich sofort merkt, dass diese Balance (oder Un-Balance) nicht natürlich entstehen kann.

Besonders positiv: Der intervallische Verlauf – beginnend bei der anfänglichen Quarte – scheint immer enger zu werden und somit in Regionen vorzustoßen, die beinahe geräuschhafte Assoziationen erwarten lassen. Nahezu unmerklich bahnen sich Sul-Ponticello-Klänge an, die man als leichtes Rauschen wahrnimmt. Diese werden durch die Verstärkung dann gänzlich in den Vordergrund gerückt. Als Hörer wird man so unmerkbar vom Klang ins Geräusch geführt.

Zwar ist die Musique d'art von Simon Martin ausnotiert. Zeitlich organisiert werden die an- und abschwellenden Klangteppiche aber mittels Stoppuhr. Die Musiker verlassen sich folglich auf ihr Gehör und die Partitur. In direktem Kontakt – auch wenn die Aufstellung des Quartetts eigentlich dazu beste Voraussetzung bietet – stehen sie im Prinzip nie. Einzig die Lichtwechsel gestalten die Performance dieser Aufführung. Und darunter leidet letztlich auch der musikalische Reiz des Werks, das an der ein oder anderen Stelle ein wenig Kommunikation und Interaktion durchaus vertragen würde.

GB

#Musikfabrik #SimonMartin

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