Why Rabbit. Why?

20:00 Uhr. Orangerie im Volksgarten. Musiktheater: Why Rabbit. Why? Musik: Oxana Omelchuk. Theresa Hupp. Regie: Sandra Reitmayer. Dramaturgie: Immanuel Bartz

Als man am Abend das Gelände der Orangerie im Volksgarten betritt, kann man deutlich eine Konzertveranstaltung hören, die offenbar ganz in der Nähe stattfindet. Leute jubeln und laute Musik hämmert dumpf durch die Stadt. Für einen Samstagabend ist das nichts Ungewöhnliches. Am Ende von Why Rabbit. Why? bekommt das ferne Spektakel aber eine neue Note.

Der Konzertsaal ist mit Trockeneis vernebelt und in blaues Licht getaucht. Auf der Bühne liegt glänzendes Konfetti. Hinten rechts ist ein Synthesizer-Setup aufgebaut. Vorne am Bühnenrand stehen zwei Mikrofonstative, dahinter E-Bässe nebst Verstärkern. Die Bühne wird zusätzlich mit auf dem Boden liegenden Scheinwerfern beleuchtet, die, wie bei Rockkonzerten, die beiden Akteurinnen – Oxana Omelchuk und Theresa Hupp – von hinten anstrahlen und das Publikum blenden. Irgendwie wirkt diese Szenerie spartanisch, fast unvollständig.

Theresa Hupp tritt nun ans Mikrofon und begrüßt das Publikum. „Say hello to the audience!“, ruft sie uns entgegen. Man ist an diese Art der Stimmungsmache derart gewöhnt, dass ich kurz geneigt bin auf die Aufforderung zu reagieren. Am Kichern der Zuhörer erkenne ich, dass ich nicht der Einzige bin, dem im letzten Moment auffällt, dass man sich eigentlich nicht selbst begrüßen braucht. Später verstehe ich, dass hier eine Art Leitfaden für angemessenes Verhalten von Rockstars abgespielt wird. Verkehrung von Urheber, Sender und Empfänger führt hier zu einer schwer greifbaren Komik, eher bizarren Groteske.

Die Musik verstärkt diesen Eindruck. Sie folgt simplen funktionalen Strukturen. Anfangs sind es die Bässe, später die Synthesizer und ein Theremin, die dazu wunderbar leichte Melodien formen. Dabei bewegt sich die musikalische Performance meist zwischen abgehalfterten Popmusik-Klischees und durchaus aktueller Konsumkritik. So lässt sich das Musiktheater im Prinzip in fünf Abschnitte einteilen, die jeweils durch ein bestimmtes Outfit von Theresa Hupp definiert werden. Omelchuk selbst trägt eine Lederjacke mit goldenem Dollarzeichen auf dem Rücken. „Oxi Casio“ liest man auf einem Stück Klebeband, das über das Dollarzeichen geklebt wurde.

Neben einer Klangcollage, die aus ausgewählter Popmusik der letzten 50 Jahre und einigen klassischen Werken zusammengebaut wurde, bleibt Hupps Rezitation von John Lennon, Eminem und Co. in Erinnerung, die alle ihrem Branding entsprechend erklären, wie berühmt und wichtig sie seien. Oxana Omelchuk steht mit Papierplakaten neben ihrer rezitierenden Kollegin, auf denen immer dieselbe Übersetzung zu lesen ist: „Ich bin der Größte.“ So zeigt sie ein Plakat nach dem anderen. Die Botschaft bleibt aber immer dieselbe – unabhängig davon, wie unterhaltsam der Inhalt des Zitats von Hupp vermittelt wird.

Ein Auftritt in Hasenkostüm scheint das Schauspiel grotesk zu pointieren: Hupp tritt mit Hasenmaske auf, zündet mit lautem Knall ein Tischfeuerwerk und schlängelt sich mit ihrem Körper durch das niederregnende Konfetti. Die skurrile Selbstbeweihräucherung scheint hier ihren geplanten Höhepunkt gefunden zu haben.

Letztlich bleibt man als Zuschauer mit vielen Fragen zurück. So ist das Musiktheater an sich zwar rund und abgeschlossen. Irgendetwas scheint hier aber dennoch zu fehlen. Es ist nicht wirklich Popmusik. Ausschließlich als Neue Musik will es sich aber auch nicht verstanden wissen. Die Performance ist perfekt choreografiert aber irgendwie auch noch nicht richtig als Tanz zu bezeichnen. Vielmehr wird hier mit dem Finger auf eine Leere gezeigt, die sich wie ein roter Faden durch populärmusikalische Inszenierungen zu ziehen scheint. Eine Leere, die hinter Effekthascherei und Oberflächlichkeit versteckt wird.

Felix Knoblauch

#Musiktheater #Orangerie #Omelchuk #Hupp

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