Debut: Trio Abstrakt

20:00 Uhr. Kunst-Station St. Peter. Trio Abstrakt. Werke von Brice Pauset, Corné Roos, Johannes Schöllhorn.

Zum ersten Mal präsentierte das junge Kölner Trio Abstrakt mit einer ungewöhnlichen Besetzung sein Repertoire vor zahlreichem Publikum in der Kunst-Station Sankt Peter. Anders als bei den meisten Orgelkonzerten der Sankt Peterkirche saß das Publikum diesmal in Richtung des Chores, wo Marlies Debacker (Piano), Ramón Gardella (Perkussion) und Salim Javaid (Saxophon) ihre erfrischend exotische Kombination aus Instrumenten aufgebaut hatten.

Wer sich durch das abendliche Schneegestöber gekämpft hatte, wurde mit einem sanft anmutenden und raumdurchdringenden Einstieg belohnt. Das erste Stück Adagio Dialettico (2000) von Brice Pauset bahnt sich seinen klanglichen Weg ganz allmählich durch den hohen Kirchenraum und sucht förmlich nach der doch meist so verhassten Nachhallzeit. Wer eine Verwandtschaft der Saxophon-Stimme mit dem Jazz gesucht hatte, wurde enttäuscht. Der ganz sachte Einstieg des Sopran-Saxophons in das Trio, der Zusammenklang und die Überlagerung der drei Interpreten machte zwischenzeitlich eine Unterscheidung der Instrumente nahezu unmöglich, was den Reiz des Stücks aber auch seiner Interpretation ausmachte. Fast könnte man meinen, dass das Stück als Einführung in das Konzert die Dynamik zwischen den drei Musikern symbolisiert.

Auch beim Werk ...(and the sequence brocken) (2014) von Corné Roos sucht Marlies Debacker, diesmal allein am Flügel, den voluminösen Klangraum der Kirche. Ganz anders ist jedoch die Struktur des Werks, denn es unterteilt sich in 12 Miniaturen, die partiell provokativ einfach gestrickt sind, was im Kontext der langsam wieder in Mode gekommenen Zurschaustellung des musikalischen Handwerks und einem immer häufiger rückwärts gewandten Blick in der Musikgeschichte sehr wohltuend war. Zwischenzeitlich tauchten für Neue Musik typische Aktionen des Flügels auf, die nichts Neues mehr waren – leichtes Klopfen, Andeutungen von Interaktionen mit den Tasten. Wahrlich erfrischend hingegen waren die konstanten Ober- bzw. Unterstimmen, die einem Metronom ähnlich beunruhigend gleichmäßig gegen alternierende Gegenklänge schlugen. Den Klang der Flageoletts ließ sich Marlies jedenfalls gehörig auf der Zunge und im Ohr zergehen. Die Interaktion mit dem Flügel steigerte sich bei der Uraufführung von Corné Roos‘ Das flirrende Innere (2018), in dem immer wieder Glissandi das Werk durchziehen. Das Trio trat im wahrsten Sinne des Wortes als „working band“ auf. Der Blickkontakt zwischen den Musikern war häufig notwendig und belebte das Geschehen auf dem Podium ungemein.

Das Finale bildete Sinaia 1916 (2015) von Johannes Schöllhorn, bei dem das dunkle Bariton-Saxophon einem Bass gleichend die beiden anderen Komponenten erdete, während die Klänge der Gongs wie aus einer anderen Welt zu schweben schienen. Fest steht: für einen raumerfüllenden Klangeindruck bei ihrem ersten Konzert als Trio hätte es keine bessere Location als den Raum der Kunst-Station in Köln geben können.

Nathalie Gozdziak

#KunstStationStPeter #TrioAbstrakt #Debut

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