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Departure

25.01.2019

20:00 Uhr. Studio Ensemble Musikfabrik. Departure. 

 

Die Reihe Departure ist eine Kooperation zwischen dem Ensemble Musikfabrik und der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Im Rahmen der Konzertreihe finden mehrmals im Jahr Neue-Musik-Konzerte statt, bei denen Stücke präsentiert werden, die zumeist elektronische Elemente als musikalischen Bestandteil haben. Deshalb werden in der Regel Stücke aufgeführt, die im weitesten Sinne im Studio für elektronische Komposition der Musikhochschule unter Aufsicht von Prof. Michael Beil entstanden sind. Die Stücke werden gespielt von Studierenden der Musikhochschule und von Mitgliedern des Ensemble Musikfabrik. 

 

Zu hören gab es dieses Jahr Stücke von Santiago Bogacz, Constantin Herzog, Robbin Reza, Pablo Garretón, Benjamin Grau, Lucia Kilger, Georgia Koumarà, und Żaneta Rydzewska. Den Auftakt machte für Kontrabass-Solo und 4-Kanal-Elektronik von Lucia Kilger. Gespielt wurde das Stück von Florentin Ginot, dem Bassisten der Musikfabrik. Dazu wurde das Instrument auf dem Rücken liegend auf einen Tisch fixiert, um dann mit einer Metallstange bearbeitet zu werden. Besonders beeindruckend der Effekt, als Ginot die lange und biegsame Stange zwischen die Saiten fädelt und so anstößt, dass sie noch einige Sekunden von selbst weiter schwingt. Kontrabass und Schwerkraft beenden hier das Stück völlig losgelöst von jedweder interpretatorischen Einwirkung. 

 

Santiago Bogacz, Constantin Herzog und Robbin Reza präsentieren mit The free access to knowledge by the total abolition of power ein wahrscheinlich halbimprovisiertes und dem Jazz offenkundig zugeneigtes Stück für Kontrabass und Klavier, das seine Qualität besonders in der vom Klavier-Assistenten gelenkten Interaktion entfaltet. Dieser spielt im Flügel, dirigiert aber auch zwischenzeitlich. So entstehen spannende Musikkomplexe, die klanglich allerdings allesamt nicht neu sind, sondern einer von vielen Versuchen, Jazz und Neue Musik einander näher zu bringen. 

Garretóns Ephemeral Memories bewegt sich ästhetisch in einer ähnlichen Richtung. Hier sind es vor allem die komplementär verzahnten Rhythmen und die klangliche Verstimmung des Synthesizers, die den Reiz ausmachen. 

 

parley heißt Benjamin Graus Werk für Klavier, Schlagzeug und Live-Elektronik. Das Stück zählte tatsächlich zu den harmonischeren Stücken des Abends. Will heißen, dass immer wieder schüchterne Mehrklänge des Klaviers durch das von Live-Elektronik und Schlagzeug eng gezurrte rhythmische Raster scheinen. Die außerordentlich präzise Performance bereitet dabei große Freude.

 

Bei Żaneta Rydzewskas sit back and relax wird im Programm verschwiegen, dass die Besetzung nicht nur aus Schlagzeug, Kontrabass, Klavier und Elektronik besteht. Man müsste vielmehr die plötzlich einsetzenden Lichteffekte als fünfte Instanz einbeziehen. Diese setzen derart hell und unvermittelt ein, dass es für die an Dunkelheit gewöhnten Augen der Konzertbesucher schlicht schmerzhaft ist, von den gezielt ausgerichteten Stage-Leuchten geblendet zu werden. Entspannend war diese Erfahrung gewiss nicht, spannend dafür allemal. 

 

Als letzten Programmpunkt bekommen wir Georgia Koumarás Trickster's Shenanigan für Schlagzeug-Solo zu hören. Dirk Rothbrust trommelt hier auf riesigen Metallfässern, hat einen Benzinkanister vor die Fußmaschine geschnallt und benutzt alte Sägeblätter als Becken. Obwohl das Stück klanglich - wegen der Instrumentenwahl - einen sehr rohen und unvermittelt rauen Charakter hat, bringen etliche an Rock-/Pop-Soli erinnernde Passagen eine gewisse Geschmeidigkeit zurück in die Musik, die Dirk Rothbrust hör- und sichtbar genießt. 

 

Auffällig bei Departure war dieses Mal, das die Elektronik bei den Stücken tatsächlich keine sonderlich dominante Rolle spielte. Sie war im Großen und Ganzen gezielt eingesetzt und wohl durchdacht. Besonders schön anzusehen: Die vielen Musiker der Kölner Musikhochschule, die mit einer Begeisterung spielten, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. 

 

 

LK

 

 

 

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