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soundings #015: WARBLE

24.01.2019

20:00 Uhr. Kunsthochschule für Medien. WARBLE. soundings #15.

 

Das Berliner Improviser- bzw. Composer-Duo WARBLE war am Abend zu Gast im 15. Konzert der Reihe soundings der KHM. Miako Klein an den Blockflöten und Brad Henkel an der Trompete spielen seit Jahren gemeinsam Konzerte. Ein Projekt, das sie regelmäßig bis in die USA führt. Bei der etablierten Reihe soundings präsentieren sie nun ein knapp einstündiges Programm in zwei Sets. 

 

Das künstlerische Konzept des Duos ist recht simpel: Verschiedene Blasinstrumente werden mittels Live-Processing-Mikrofonie abgenommen und klanglich manipuliert. Dabei sind die elektronischen Effekte dezent eingesetzt und überlagern nie die musikalische Stärke der beiden Musiker. Besonders spannend wird der Umgang mit den Mikrofonen dann, wenn sich Brad Henkel mit dem Schalltrichter seiner Trompete in Richtung des Mikrofons bewegt, dieses mit dem Instrument umspielt und auch stellenweise das ganze Mikrofon im Trichter verschwinden lässt. Dabei taucht man als Zuhörer nicht nur in den Klang der Trompete ein, sondern scheint gänzlich im Körper der Musiker aufzugehen. Man wird Teil jeder kleinsten Bewegung, jeder Atemzug erzeugt einen unerbittlich konstanten Strom, der dunkel dahin fließt. Miako Klein bietet mit ihrer Paetzold-Flöte, mit der man eigentlich Kontrabass-Klänge assoziiert, selten ein sicheres Fundament. Viel eher bereichert sie die Improvisation durch leise pfeifende - am Mundstück vorbeigeblasen - Klänge, die dem insgesamt dezenten Gebilde eine melodische Note einhauchen. 

 

 

Obwohl man von beiden Musikern etliche Klänge zu hören bekommt, verfahren sich die Stücke nie in ein bloßes Abarbeiten von Spieltechniken. Jeder Gedanke und jede musikalische Handlung scheinen durchdacht und begründbar. Mit wenig Show wird hier sehr viel erzählt, was den Wert ungemein steigert. 

 

Vom zweiten Set bleiben vor allem die Synth-Klänge in Erinnerung, die offensichtlich durch eine von dem Trompeter angesteuerte Live-Elektronik erzeugt werden. Diese Klänge schieben sich als harmonische Akkordfiguren über den Paetzoldbass, der in diesem Fall tatsächlich das musikalische Fundament bildet. Percussive Effekte wie Klopfen auf das Instrument oder leise Klappengeräusche lassen die aufkeimenden Harmonien dann aber doch wieder im Diffusen verschwimmen. 

 

Dieser Umgang mit Mikrofonen ist grundsätzlich nicht neu, denkt man z.B. an Stockhausens Mikrophonie. Auch hier werden Mikrofone flexibel bedient und als klangliche Grundvorraussetzung für das musikalische Konzept betrachtet. Das Live-Processing und der improvisatorische Umgang des Duos mit dem Material gibt dem Ganzen dann allerdings doch eine tatsächlich originelle Note.

 

Felix Knoblauch

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