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Zusammenklang & Trio Abstrakt

17.12.2018

„x&ich“ ist die Interviewrubrik des KarlHeinz-Magazins, in der wir von Ausgabe zu Ausgabe mit einer Person des zeitgenössischen Musikgeschehens über eine Variable nach Wunsch aus der Neue-Musik-Welt sprechen.  Am 30. Januar wird das Trio Abstrakt, bestehend aus Marlies Debacker (Piano), Salim Javaid (Saxophon) und Ramón Gardella (Perkussion) sich das erste Mal in einem abendfüllenden Konzert in der Kunst-Station Sankt Peter präsentieren. Wir haben uns zum Gespräch getroffen und über ihre gemeinsame Arbeit als Trio und die Suche nach dem perfekten Zusammenklang gesprochen.

 

 

HH: Ramón, du spielst im Ensemble K3:6K und Marlies und Salim ihr seid beide in der Improv-Szene aktiv, dennoch nennt ihr das Trio euer Hauptprojekt. Was macht die Zusammenarbeit für euch so besonders?

 

Salim: Wir waren alle auf der Suche nach einer kleinen Besetzung mit der man häufig probt und sich ein Repertoire erspielt, eine richtige „working band“ halt.

 

Ramón: Es ist die Art der Arbeit. Wir haben sehr genaue Vorstellung wie wir zusammenarbeiten wollen und interessieren uns sehr für das Material.

 

Salim: Wir haben erstmal zwei Jahre ohne ein konkretes Ziel geprobt. Jetzt aber werden wir in der Kunst-Station unser erstes abendfüllendes Konzert in dieser Besetzung spielen. All die Stücke, die wir bis jetzt nur „heimlich“ geprobt haben, konnten wir nun zeigen. 

 

HH: Wie habt ihr euch als Trio gefunden?

 

Salim: Marlies und ich kennen uns schon länger. Während unseres Studiums an der HfMT kam der Wünsch auf, gemeinsam Neue Musik und komponierte Musik zu spielen. Leider gibt es kaum Material für Klavier und Saxophon. Was es aber seit nun 30 Jahren gibt, sind Stücke für eine Dreierbesetzung mit Schlagzeug - unter anderem dank des Trio Accanto. 

Wir haben einfach eine Rundmail geschickt, dass wir nach einem Schlagzeuger suchen und Ramón hat direkt geantwortet. 

 

Ramón: Genau das war 2016 -  ich bin 2015 nach Köln gekommen. Die ersten zwei Semester habe ich nur geübt und die Stadt kennengelernt. Als eure Anfrage kam, habe ich einfach Ja gesagt, egal was wir spielen. 

 

HH: Bei eurem kommenden Konzert werdet ihr ein neues Stück aus eurer Zusammenarbeit mit dem Komponisten Corné präsentieren. Wie kam es dazu?

 

Salim: Wir haben Corné bei einem Konzert bei euch im ON-Büro kennengelernt. Nach einem weiteren zufälligen Treffen und einer anschließenden längeren Unterhaltung haben wir ihn gefragt, ob er Lust hätte, was für uns zu schreiben. Er war direkt interessiert.

 

Marlies: Seitdem haben wir viel gemeinsam gearbeitet und freuen uns, das neue Stück aufführen zu dürfen. 

 

HH: Was darf das Publikum in der Kunst-Station Sankt Peter noch erwarten?

 

Ramón: Wir haben sehr lange überlegt, welche Stücke räumlich gut passen. Es geht um den Raum und den Klang der Stücke, diese Atmosphäre wird sehr besonders, glaube ich. 

 

Salim: Es sind auch unterschiedliche Klangerfahrungen. Cornés Stück geht über psycho-akustische Phänomene, es ist wie elektronische Musik ohne Strom. Bei Schöllhorn gibt es ganz viele tiefe Klänge, die sich ganz wunderbar vermischen. Bei Pauset sind es drei extrem solistische Stimmen, hier geht es um die Gleichzeitigkeit und Überlagerung des Materials. 

 

HH: Wie macht ihr euch auf die Suche nach neuem Repertoire?

 

Salim: Das größte Problem bin eigentlich immer ich. Schlagzeug und Klavier haben nicht das Problem, tolle Stücke zu finden. Aber es gibt nun mal kein Stockhausen-Stück für Saxophon, Klavier und Schlagzeug. Aber Dank des Trio Accanto haben wir den Luxus, dass wir auf einen Fundus zurückgreifen und das verfügbare Repertoire direkt überblicken können. 

 

Ramón: Das Trio Accanto sagt von sich, sie seien ein Jazz-Trio, dass keinen Jazz spielt. 

 

Salim: Wenn man es mit einem Jazz-Quartett vergleicht, fehlt einfach der Bass. Dadurch kann es alles werden. 

 

HH: Was interessiert euch klanglich an eurer Besetzung und was sind die Schwierigkeiten?

 

Marlies: Das ist jetzt etwas gemein, aber Saxophon ist tatsächlich ein kompliziertes Instrument zum Zusammenspielen. Aber es wird einfacher, wenn ein Schlagzeug dazu kommt. Das öffnet gleich ein neues Spektrum. Klavier und Saxophon finde ich kammermusikalisch nicht einfach, es mischt sich grundsätzlich erstmal nicht. Aber klanglich kann es sehr interessant sein und wahnsinnig überraschend. Saxophon ist auch ein Instrument, was unglaublich viele klangliche Möglichkeiten hat. Und dann Schlagzeug und Klavier...

 

Ramón: ... sind ja fast das gleiche. 

 

Marlies: Ich war bei einem Vortrag von Georges Aperghis in der Musikfabrik und habe ihn gefragt, wie er die Rollenvergabe in dieser Triobesetzung versteht.  Er sagte, das Schlagzeug wäre wie ein Chamäleon, das ständig die Farbe wechselt und verbindet. Es hat klanglich die Möglichkeit die beiden anderen Instrumente zusammenzubringen. Aperghis hat aber auch eingewandt, dass er es sehr schwer fand, ein Stück für diese Besetzung zu schreiben, es wäre sehr kompliziert.  

 

Salim: Das habe ich auch schon von mehreren gehört. Wenn man einen Komponisten fragt, hört man gleich Ja … schwierige Besetzung. 

 

Ramón: Wir überdenken auch immer wieder unseren Bühnenaufbau. Es ist immer eine Arbeit mit Klang. 

 

Marlies: Diese Schwierigkeit macht es aber auch so interessant. Wir müssen immer wieder nach Repertoire und dem Zusammenklang suchen.

 

Salim: Wir können aber auch sehr ähnlich klingen. Das erste Stück, was wir zusammen geprobt haben, ist Marc Andres Komposition durch. Es ist sehr granular - trockene Klänge. Für das Saxophon sind es hauptsächlich Slaps und zum Ende hin puste ich nur noch auf eine Alufolie. Das Schlagzeug spielt nur trockene Klänge und das Klavier wird mit Knete präpariert, damit es ganz dumpf ist. Diese Möglichkeit komplett identisch zu klingen ist genauso interessant. Ramón und ich können weißes Rauschen erzeugen und kleine Metalle sind ganz nah dran ein einem hohen Ton auf dem Klavier. Es gibt ganz viele Klänge, bei denen wir ganz nah beieinander sind. 

 

Ramón: ... und die wir gefunden haben. Man muss halt etwas - manchmal auch etwas länger - suchen. Aber gerade das macht ja Spaß. 

 

 

Das Interview führte Helene Heuser

 

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