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American Music - Chicago. Montagskonzert Ensemble Musikfabrik.

17.12.2018

20:00 Uhr. Studio der Musikfabrik im Mediapark. Ensemble Musikfabrik. Werke von: George Lewis, Anthony Braxton, Mike Svoboda.

 

 

Das gestrige Montagskonzert der Musikfabrik stand unter dem Motto American Music - Chicago und wurde von dem 1957 in Kansas City geborenen Posaunisten Bruce Collings kuratiert. Dieser verweist später auf die Jazz-Nähe des Programms. Den Anfang macht der Kurator mit dem von George Lewis 2016 geschriebene Oraculum für Posaune Solo schließlich selbst. 

 

Oraculum scheint ein mehrsätziges Werk zu sein, dass seinen Schwerpunkt auf besondere spieltechnische Herausforderungen setzt. Das Werk wurde zweifellos virtuos und nahezu einwandfrei aufgeführt, verweigert sich als Musik allerdings einer inhaltlichen Linie, der man folgen könnte. Folglich entstehen durchaus spannende Klänge, insgesamt wirkt das aber zusammenhanglos. Vermutlich will das Werk aber genau diesen Effekt erreichen. Am Ende wirkt es, als hätte Collings genug von der Virtuosen-Schaustellung. Wie ein Baby, das den auf einem Löffel anfliegenden Spinat verweigert, schüttelt er den Kopf und bläst dabei abwechselnd in die Luft und in das Mundstück seines Instrumentes. Ist das eine Ablehnung des Virtuosentums? Die Verweigerung an sich ist derart virtuos und glaubhaft performt, dass sie dieser Vermutung nicht gerecht wird. 

 

Das folgende Duo Composition 359 für Violine und Kontrabass des Amerikaners Anthony Braxton setzt einen Schritt in Richtung des in der Begrüßung angekündigten Konzertschwerpunktes. Das Werk ist hörbar vom Free-Jazz beeinflusst. Es zwingt die Geigerin Sara Cubarsi und ihren Kollegen Florentin Ginot sich förmlich durch die überkomplex undurchsichtigen Strukturen zu sägen. Metrisch Gehacktes wechselt mit frei Schwebendem. Nachvollziehbar ist das Werk wohl für die wenigsten Hörer. Durchweg gut gespielt dafür allemal. 

 

Mit Mike Svobodas Music for Trombone, Piano and Percussion (2011) verlassen wir als Zuhörer die heiligen Hallen der Neuen Musik. Auf einem auf verschiedenen rhythmischen Ebenen repetierten Es baut sich ein Werk auf, das - ähnlich einer Performance im Jazz - allen Beteiligten abwechselnd Platz für wilde Soli lässt. So freut man sich als Zuhörer darüber, im mit Schwämmen auf der Snare gewischten Schlagzeug-Solo die rhythmische Struktur des Anfangs wiederzufinden. 

 

Braxtons Composition 23c (1973) und seine sogenannte Ghost Trance Music (1997) beenden das Montagskonzert. In voller Besetzung bringen sich die Musiker in eine Art Unisono-Trance, aus der sie sichtbar ungern ausbrechen müssen. Die schier endlos scheinende Melodie des Anfangs zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Einziges Manko hier: Der rote Faden ist das Werk. Dieses Prinzip hat man irgendwann verstanden - eine besonders spannende Entwicklung bleibt diese gleichzeitige Aufführung schuldig. 

 

GB

 

 

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