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Die Grenze als verbindendes Element. Stefan Schönegg im Gespräch.

10.12.2018

Stefan Schönegg wurde 1986 in Heppenheim geboren und ist in Konstanz aufgewachsen. Er begann ein klassisches Kontrabassstudium in Berlin und wechselte für ein Jazzstudium nach Köln. Hier hält es ihn bis heute. Durch den Hochschulalltag bereichert aber auch beengt fand er in Improvisation und Neuer Musik eine inspirierende Freiheit. Mittlerweile ist Stefan Schönegg aktiver Musiker der freien Szene in Köln.

 

Über die Grenzen zwischen Neuer Musik und Jazz, die Bedeutung von Reduktion des Materials, den Unterschied zwischen Komposition und Improvisation und die Versuche, allem einen Stempel aufzudrücken.

 

Ein Gespräch mit Felix Knoblauch.

 

 

FK: Du wirst als Grenzgänger zwischen Neuer Musik und Jazz bezeichnet. Wo verläuft diese Grenze?

 

SS: Für mich ist das verbindende Element die Klangforschung. Wobei die im Jazz vielleicht nicht immanent ist. Es ist die Improvisation, die beides für mich verknüpft. Ab dann wird es schon schwierig, weil in der Neuen Musik nicht unbedingt wahnsinnig viel improvisiert wird - kann, muss aber nicht. Im Jazz sind viele Sachen notiert oder es wird in gewissen Stilen improvisiert. Für mich war die freie Improvisation ganz grundlegend. Wo man gar keine Vorgaben hat und einfach anfängt zu spielen. [...] Das freie Improvisieren und die Klangforschung am Instrument sind Dinge, die sich in Jazz und Neuer Musik überschneiden. 

 

FK: Neue Musik war für mich durch ihre strenge Form eigentlich immer alles außer Improvisation. Wenn man etwas nicht verstehen konnte, dann hatte man die Gelegenheit, noch mit den Komponisten zu sprechen und die Fragen zu klären. 

 

SS: Ich verstehe, was du meinst. Jetzt, wo ich selber mehr schreibe - je nachdem, wie man Komposition definiert, würde ich mich auch als Komponisten bezeichnen, in einem akademischen Sinne vielleicht nicht - finde ich es sehr faszinierend, wie akkurat und mit welch' genauer Vorstellung die Leute in der Neuen Musik arbeiten. 

 

FK: Aber ist das im Jazz anders?

 

SS: Ne, ich habe schon eine genaue Vorstellung von dem, was ich will. Ich versuche die Freiheiten der einzelnen Musiker, die mitspielen, mit einzubauen. Ich schreibe also eher für eine bestimmte Band oder für ein Ensemble. Ich weiß dann, dass eine bestimmte Person einen bestimmten Klang hat. Deshalb will ich entsprechende Person dann auch für das Ensemble haben. Wenn ich also die Sprache der Musiker kenne, dann weiß ich auch genau, was ich für die schreiben kann. 

 

FK: Vergangenen Freitag gab es ein Konzert in der Kunststation St. Peter. BIG ENSO hast du das genannt. Was bedeutet BIG ENSO?

 

SS: Ich habe 2016 das Quartett ENSO gegründet. Bis jetzt haben wir zwei Alben aufgenommen. Das zweite wird bald veröffentlicht. Ich versuche mit ENSO eine Musik zu machen, die mir besonders am Herzen liegt. BIG ENSO ist die Erweiterung der kleinen Besetzung zum Oktett. 

 

FK: Die Mitglieder wurden dann nach ihrem speziellen Klang ausgewählt?

 

SS: Erstmal habe ich mir eine Besetzung überlegt, auf die ich Lust habe. Dann die Kollegen gesucht. Im Prinzip lag das aber fast schon auf der Hand, weil ich mit allen im improvisatorischen Kontext schon viel gespielt habe. Wir kommen aus dem IMPAKT-Umfeld. Einem Kollektiv von derzeit elf Musikern. Wir haben das Kollektiv vor ein paar Jahren gegründet, um die Belange der improvisierten Musik in Köln zu vertreten. Aus diesem Umfeld stammt BIG ENSO im weitesten Sinne. 

 

FK: Was bedeutet ENSO?

 

SS: Das ist abgeleitet von einem japanischen Zeichen aus der Kalligraphie - einem halbgeschlossenen Kreis. Einen Kreis kann man nicht perfekt rund malen. Die Idee des Unperfekten ist verknüpft mit einer japanischen Ästhetik und auch dem Zen-Buddhismus. Hier darf das Unperfekte Teil von etwas sein, ist vielleicht sogar gewollt. Auf der anderen Seite meint der Begriff auch eine offene Weite, der Widerspruch von Singularität und Dualität. Für mich ist das Zeichen eher die schöne Idee eines Symbols, das eine gewisse Qualität ausdrückt, die ich gerne in der Musik vertonen möchte. Dabei geht es um Reduziertheit und tiefes Eintauchen in ein Klangmaterial. Diese Spielhaltung macht mir beim Improvisieren großen Spaß. Ich habe festgestellt, dass in den meisten Projekten, in denen ich mitspiele, mir diese Reduziertheit als Spielqualität gefehlt hat. Dann habe ich ENSO gegründet. 

 

FK: Die Reduktion hat dir gefehlt?

 

SS: Ja, diese Spielqualität. Ich spiele in meinem beruflichen Alltag mehr Jazz als Neue Musik. Wegen der Infrastruktur und der Auftrittsmöglichkeiten ist Neue Musik kein großer Teil in meinem Alltag als Musiker. Deswegen fand ich, muss ich unbedingt selbst etwas unternehmen, da mir sonst etwas fehlen würde. 

 

FK: Kannst du auf den Begriff der Reduktion genauer eingehen? Das BIG ENSO Konzert fand ich letzten Freitag erstmal nicht besonders reduziert. 

 

SS: Ja man kann die Reduktion natürlich noch viel weiter auf die Spitze treiben. Das Ausgangsmaterial war zumindest reduziert. Ich schreibe fast keine Melodien auf. Meistens sind das eher harmonische Kontexte, die dann gerne auch wohlklingend sein können, das mag ich. Es sind dann eher Vorgaben im Sinne von Farben, die ich da aufschreibe. Und dann wird damit natürlich auch viel improvisiert. Längen z.B. können jedes Mal anders sein. 

 

 

 

 

 

FK: Was sind das dann für Vorgaben, die du notierst?

 

SS: Ich schreibe nur einen Akkord auf. So fahren Farben quasi rein und dann aber auch wieder raus. Manchmal läuft dann im Hintergrund eine Impro, die nur mit Luftgeräuschen funktioniert. In welchem Ausmaß dann die Akkordverbindung gestaltet wird, welches Tempo, welche Dynamik, das ist dann der Stimmung in diesem Moment überlassen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FK: Wie lässt sich das koordinieren? Man hatte schon das Gefühl, dass manche Stellen extrem streng komponiert waren.

SS: Oft läuft das über cues, also über Zeichen, die gegeben werden.

 

FK: Und das ist dann aber schon notiert?

 

SS: Ja genau. Diese Stellen sind dann vorgegeben. Allerdings entwickelt sich das auch, meistens in den Proben. Ich bringe manchmal Stückideen oder Improvisationskonzepte mit. Dann spricht man darüber, was funktioniert. Manchmal probieren wir auch etwas aus, das klingt dann aber nicht sehr befriedigend und wird geändert.

Ein Konzept könnte zum Beispiel so aussehen: Es gab ein Stück, bei dem immer mit einem Material improvisiert wurde. Das wurde dann durch eine laute perkussive Aktion unterbrochen und dann kam das nächste Material. Im Prinzip vergleichbar mit einer Collage. Da habe ich grafisch eine Linie notiert, die eine flirrende Farbe zeichnen sollte. Das lassen ich den Musikern dann zur freien Interpretation. Dadurch, dass man aber zusammen anfangen muss, entsteht ein Rahmen, in dem man mit dem Material arbeiten muss und entsprechend etwas - auch mit dem Material - passiert. Ob das dann beim nächsten Mal gleich klingt würde ich bezweifeln. Allerdings klingt es vielleicht ähnlich, da ja alle mit der gleichen grafischen Linie arbeiten. Mich interessiert eine gewisse Offenheit durch das improvisieren. Und ich vertraue den Musikern, dass sie aus der Notation etwas machen, was mir gefällt. Sonst hätte ich sie nicht ausgewählt. 

 

 

FK: BIG ENSO wurde 2018 gegründet mit dem Ziel „Raum zum Eintauchen“ zu schaffen. Ist Reduktion notwendige Bedingung, um eintauchen zu können?

 

SS: Für mich heißt "Eintauchen" auch runterfahren. Eintauchen in die Musik und ihren Klang. 

 

FK: Eine Art Trancezustand?

 

SS: Es geht auf jeden Fall nicht um so ein Einlullen oder Wegdösen. Das finde ich dann nicht passend. Das kann zwar schön sein und für die Musik sprechen - neulich haben wir mit einer größeren Gruppe improvisiert und dabei ist einer eingeschlafen - ich bin mir aber nicht so sicher, was ich davon halten soll. [...] Mir geht es dabei eher um eine improvisatorische Qualität, also dass man an einem Material wirklich dran bleibt und den Klang verfolgt. Ab einer gewissen tiefe, die man dabei erreicht, kann alles viel farbenreicher werden, obwohl am Ende gar nichts verändert wurde. Eigentlich produziert man effektiv wenig, trotzdem wird alles bunter. Eine konzentrierte Form der Meditation, die am Ende viel wacher ist, als der Wachheitszustand selbst - schlicht durch den unglaublichen Fokus.

 

FK: Wenn man von Meditation und Buddhismus spricht, dann kann Cage und die Gruppe der New York School nicht unerwähnt bleiben. Siehst du Parallelen?

 

SS: Ich habe mich zwar eingelesen, habe aber nicht sonderlich viel geforscht. Es ist ja auch immer die Frage, ab wann man von Einfluss sprechen kann. Oft ist das ja auch einfach eine Reminiszenz. Man nimmt Sachen auf und verarbeitet die dann auch automatisch unbewusst. Manchmal frage ich mich, für wen Cage kein Einfluss gewesen ist. Er hat so viel neu gedacht, was heute generell in der Musik ein wichtiger Teil geworden ist. Alle Geräusche als Musik zu denken ist mittlerweile in der Improvisation völlig immanent aber deshalb noch nicht zwangsläufig ein Einfluss von Cage. 

 

FK: Wobei die stillen Momente bei BIG ENSO ja eigentlich keine Stille waren. Es passierte ja die ganze Zeit etwas, sei es auch nur ein kleines Geräusch gewesen. Bei Cage war der Gedanke, dass nichts auf der Bühne passiert und sich der Fokus deshalb gezielt auf die Umwelt richtet. 

 

SS: Ich verstehe das auch eher als Annäherung. Das Konzept ist so angelegt, dass Stille passieren kann aber nicht muss. Es gab ja im Konzert auch nur wenige Sekunden echte Stille. Was dadurch aber dann passiert, ist, dass bei sehr leisen Stellen dann trotzdem der Fokus plötzlich auf den vorbeifahrenden Krankenwagen draußen gelenkt wird. 

 

FK: Was ja auch eine gewisse Qualität hat.

 

SS: Was ich immer noch ganz faszinierend finde, ist die kollektive Ruhe im Raum. Die Energie, die im Raum schwingt, ist plötzlich eine ganz andere, wenn alle so fein zuhören. Der eindrücklichste Moment war für mich das Ende. Da war die Stille greifbar. Ich hätte diese Stille am liebsten noch länger ausgehalten. 

 

FK: Ja, es ist immer schade, wenn dann schon so früh geklatscht wird. Das zeigt allerdings auch, dass die Leute schon gemerkt haben, dass das Konzert jetzt vorbei ist. Wenn bei Neue-Musik-Konzerten länger stille ist, dann liegt das wahrscheinlich oft daran, dass niemand so genau weiß, ob das Stück schon zu Ende ist. Meiner Wahrnehmung nach ist Stille etwas extrem schmerzhaftes für die Zuhörer. Die wenigsten können sie ertragen - gerade im Konzert. 

 

SS: Da spielen natürlich auch bestimmte Konventionen eine Rolle. Die Musiker blicken ins Publikum und irgendwo wird ja dann auch erwartet, dass geklatscht wird. Ein spannendes Konzept könnte sein, bewusst das Klatschen zu verbieten. Dadurch würden sich ja auch wieder neue Räume öffnen. 

 

FK: Ist es möglich eine Grenze zwischen Komposition und Improvisation zu ziehen?

 

SS: Letzten Endes kommt es immer drauf an, was man als Komposition bezeichnet. William Parker [Bassist] hat mal gesagt, dass alles Komposition ist, was man auf irgendeine Art strukturiert. Wenn ich dir also eine mündliche Spielanweisung gebe, dann ist das in gewisser Weise schon eine Komposition. Wenn man davon ausgeht, dass Komposition eine Strukturierung von Klängen ist - auf welche Art auch immer - dann ist Improvisation letzten Endes eine Echtzeit-Komposition. 

 

FK: Wenn du reduziertes musikalisches Material zum Improvisieren festlegst, dann ist das ja auch schon eine Vorgabe. 

 

SS: Auf der anderen Seite muss man sich aber auch fragen, ob es überhaupt echte Improvisation gibt. Niemand macht etwas, was er noch nie gemacht hat. Aus Zufall vielleicht irgendwann mal aber in der Regel verarbeitet man ja Sachen auf eine bestimmte Art. Dadurch würde ich sagen, gibt es viele Überschneidungen [zwischen Komposition und Improvisation]. 

 

FK: Was möchtest du mit deiner Musik erreichen? Gibt es ein Album, mit dem du ein bestimmtes Anliegen verbindest?

 

SS: Mit BIG ENSO mache ich schon ein Projekt, das mir sehr wichtig ist. Ich möchte Raum zum Eintauchen schaffen. Unsere Zeit ist so wahnsinnig hektisch und ich wünsche mir, dass man sich gezielt Zeit nehmen kann für Momente, die neue Räume schaffen. Das ist  natürlich schon sehr weit gefasst. Ein gutes Gespräch kann ja auch schon so ein besonderer Moment sein. 

 

FK: Gibt es eine politische Dimension in deiner Musik?

 

SS: Die Musik, die wir machen, ist alleine deshalb schon politisch, weil sie kein Einlullen fördert, wie es vielleicht bei kommerzieller Popmusik der Fall ist. Alleine das Fordern des Zuhörers empfinde ich schon als Statement und als Gegensatz zu dem, was in der heutigen Zeit sonst teilweise so abgeht. Bei der Improvisation ist es eine schöne Utopie. Im freien Impro-Kontext stellt man sich einfach zusammen und spielt etwas miteinander. Egal was man verhandelt, am Ende versucht man doch Musik zu machen, die dann irgendwie funktioniert. [...] Man probiert Dinge aus, macht Sachen absichtlich nicht mit. Es ist ja auch spannend, was passiert, wenn einer sich total an die Regeln hält, die Anderen aber kein Bock darauf haben. Da verhandelt man dann ja auch im Moment. 

 

FK: Muss man als Künstler politisch oder religiös sein?

 

SS: Als Künstler nicht, aber als Mensch fände ich es wünschenswert. Allerdings weiß ich nicht, wie politisch ich jetzt bin. Ich lese Zeitung und bilde mir eine Meinung, bin aber nicht aktiv im Sinne einer politisch gelebten Praxis. Als Mensch finde ich das allerdings schon wichtig. Ich glaube, es gibt aber auch gute Kunst ohne Politik. Spiritualität ist da schon wieder eine andere Frage. Was viele in der Musik suchen ist ja oft auch irgendwo ein Andocken an etwas größeres. Religion ist immer an Institutionen oder Gruppierungen gebunden. Spiritualität ist für mich eher das Akzeptieren der eigenen Kleinheit.

 

FK: Gibt es etwas, das unserer musikalischen Gegenwart fehlt?

 

SS: Schwierig. Man sagt ja immer, es ist alles schon irgendwie da gewesen. Aber das ist ja eigentlich Quatsch, weil man immer wieder neu erstaunt wird. Was ich heute interessant finde, ist der globale Informationsaustausch. Es gibt keine Schranken mehr und alles wirkt, als würden alle aus allem schöpfen können. Das finde ich sehr interessant - besonders langfristig. Wenn alle Leute - egal von wo auf der Welt - Zugriff auf alles haben und alles dann in ihrem Sinne verarbeiten, dann entstehen immer interessantere Mischungen. 

 

FK: Das Glück, künstlerisch frei zu sein, ist gleichzeitig der größte Fluch. Historisch zeigt sich, dass einige der größten Kunstwerke nur wegen Verboten oder wideren Gesetzen entstanden sind. Gibt es deshalb so wenig Neues, weil alles gemacht werden darf?

 

SS: Es spricht ja nichts dagegen, sich die Grenzen selbst zu setzen. Das hat dann halt keine so starke Wirkung. Ein politisches Verbot hat natürlich eine ganz andere Kraft. Den künstlerischen Sinn muss man sich aber selber suchen. Also die Frage, warum mache ich das alles überhaupt? Ich habe festgestellt, dass das Eintauchen in die Musik ein sinnstiftendes Element für mich ist - nicht nur auf den Reduktionsgedanken bezogen. Ich übertrage das auch auf Dinge, die ich sonst privat mache. 

 

FK: Bist du ausschließlich in der freien Szene aktiv?

 

SS: Ja.

 

FK: Die Musiker aus deinem Ensemble auch?

 

SS: Fast alle unterrichten noch aber musikalisch ist niemand irgendwo festangestellt. 

 

FK: Du hast eben von IMPAKT gesprochen. Ich fühle mich an den IFM [Initiativkreis Freie Musik] erinnert. Kennst du deren Arbeit und bist du selbst aktiv?

 

SS: Ja, ich kenne den IFM. Wir sind mit IMPAKT bei der KJK [Kölner Jazzkonferenz] aktiv. Letzten Endes sind das alles kleinere Gruppen, die im Größeren aufgehen. Der Kreis schließt sich da irgendwo, auch wenn wir mit IMPAKT nicht direkt aktiv im IFM sind. Klar, es ist immer gut, sich in der Stadt zu vernetzen. 

 

FK: Wie stehst du zu den etablierten Musikfestivals in Köln?

 

SS: Prinzipiell ist es doch super, dass so viel in der Stadt passiert. Manchmal weiß ich nicht so genau, wo die Reise hingeht. Besonders was Publikumszuspruch und -zahlen angeht. Bei AchtBrücken hatte ich immer das Gefühl, das es angenehm voll war. 

 

FK: Fühlst du dich als freier Musiker in den Festivals vertreten?

 

SS: Was in Köln fehlt, ist ein großes Festival als Aushängeschild für Jazz. Kleine Festivals laufen schon ganz gut. Bei Acht Brücken gibt es ja auch den Jazz-Slot mittlerweile. 

 

FK: AchtBrücken ist dadurch Alles und Nichts?

 

SS: Das entspricht ja auch irgendwo dem Zeitgeist. Wir treffen uns hier, um über Neue Musik zu reden, obwohl ich von mir sage, dass ich selbst eher  Jazz-Musiker bin. Ich finde das auch schön. Ich hänge irgendwo dazwischen und würde mir auch wünschen, dass das generell wieder offener betrachtet werden würde. Auf der anderen Seite ist es anscheinend wieder wichtig, dass man Sachen einen Stempel aufdrücken kann. Dann ist es auch wieder wichtig, dass es Initiativen gibt wie IMPAKT, die Sachen anstoßen. Es wird immer weiter in die Richtung gehen, dass wir selber aktiv und initiativ werden müssen und daraus dann neue Sachen entstehen, die sich längerfristig etablieren können. Man wünscht sich natürlich immer mehr Geld und Man-Power für die Freie Szene. Ich merke selber, wie ich an meine Grenzen stoße. Ich will meine eigene Musik machen und spiele in vielen Bands und Ensembles mit - weil ich ja auch mein Geld damit verdiene - dann will man aber trotzdem noch organisatorisch und im besten Fall politisch aktiv sein. Natürlich wäre das toll, wenn es da noch mehr strukturelle Förderung gäbe...dass da Leute sitzen, die einem unter die Arme greifen. Alleine kostet alles viel Zeit und Energie.

 

FK: Wenn du für einen Tag die Stadt regieren könntest: Was würdest du verändern?

 

SS: Mir fallen tausend Sachen ein. Was ich super spannend finde ist die Idee von kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich stelle mir auch einen entspannten Sommertag vor an dem alle rausgehen und gemeinsam musizieren. Einen autofreien Tag fände ich auch gut. Außerdem könnte man wenigstens einmal im Jahr auf Konservenmusik verzichten. 

 

FK: Vielen Dank für die Zeit!

 

 

Das Gespräch führte Felix Knoblauch.

 

 

 

 

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