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Musikfabrik im WDR

25.02.2018

20:00 Uhr. Funkhaus Wallrafplatz. Musikfabrik im WDR.

 

 

Zum 65. Mal lud die Musikfabrik zum Konzert ins Funkhaus. Sofort fiel die eher untypische Besuchermenge auf. Obgleich das Ensemble sich nicht um Zuschauer sorgen muss – voll ist das Funkhaus bei zeitgenössischen Konzerten selten. Begründet war das wohl durch die Vermittlungsaktion LINKAGE!, die das Kölner Vorzeigeensemble neuerdings durchführt. So wurden kleine Kompositionsaufträge vergeben, die speziell Laien an zeitgenössische Musik heranführen sollen. Da entsprechendes Werk von den jungen Musikern - in diesem Fall Schülern einer Oberstufe in Porz - bei der Einführungsveranstaltung vor dem Konzert aufgeführt wurde, blieb es leider den meisten regulären Konzertbesuchern vorenthalten. Die Familien der Schüler konnten wiederum das komplette Konzert hören.

 

Der Abend begann also – für alle, die nichts von der LINKAGE!-Aktion wussten – mit Mathias Spahlingers Aussageverweigerung/Gegendarstellung (1981). Ein beinahe altmodisches Stück, das aber in seiner Klangästhetik eine spannende Überschrift für die später folgenden Stücke setzen soll. Das Stück zeigt in seiner festgefahrenen Binarität oftmals schizophrene Züge, pendelt es doch quasi bis zum Schluss zwischen beißender Stille und brutalsten Klangschlägen. Scheinen sich hier Formelemente zu verfestigen, ist es offenbar Anliegen, ihnen schnellstmöglich wieder den Halt zu entziehen. Ein Kafkaeskes Erlebnis, das in letzter Konsequenz auch Platz für politische Spekulationen lässt. 

 

(A)Long Lines: We'll Draw Our Own Lines (2004) der kanadischen Komponistin Chiyoko Szlavnics erklang als nächstes. Hauptmaterial scheint hier das Glissando zu sein. Von den Streichern extrem langsam und unisono ausgeführt, will man ihm beinahe meditative Wirkung nachsagen. Die Dauer des Stücks ("Long" war es in jedem Fall) trägt Übriges zu diesem Eindruck bei. Es scheint nichts anderes zu bleiben, als sich in die Klangflächen der glissandierenden Streicher oder des permanent arco-spielenden Schlagwerks hinein zu träumen. Greifbares Material gibt es kaum - und wenn, dann verliert es durch die erdrückende Eintönigkeit an Bedeutung. 

 

Ein vielversprechender Newcomer ist Joseph Lake, der mit dem Auftragswerk Concerto (2018) für präpariertes Klavier und Ensemble nicht nur "Licht am Ende des Konzerttunnels" ist, sondern mit dem Stück auch gleichzeitig einen Doktortitel von der University Buffalo erhält. Leicht amerikanische Einflüsse lassen sich hier nicht leugnen, erinnert das dezent präparierte Klavier im Zusammenspiel mit dem punktuell agierenden Ensemble zeitweise an eine Ästhetik der New York School. Joseph Lake, der übrigens mit Lisa Streich verheiratet ist, schafft es trotz dieser nostalgischen Elemente stets eine völlig eigene Klangsprache zu etablieren, die von den Musikern des Ensembles mit Begeisterung interpretiert wird. Es bleibt zu hoffen, dass Lake – auch besonders im Kölner Kontext – bald wieder in Erscheinung tritt. 

 

Der Konzertabend wird beschlossen mit James Dillons Aus Pharmakeia: Circe (2017). Dieses dritte von eigentlich vier dem vollständigen Zyklus angehörenden Stücken ist im Vergleich zu den vorherigen Werken des Abends ein Feuerwerk an Technik und musikalischen Effekten. Es als effekthascherisch abzuwerten wäre hier aber nicht fair, wirkt es doch im Rahmen speziell dieses Konzertes besonders intensiv. Man fühlt sich gefangen in bunten Farben und Formen und tanzt innerlich förmlich mit den Musikern. Nicht zuletzt durch diese Polyphonie musikalischer Elemente wird das Ganze zu einer berauschenden Erfahrung. 

 

GB

 

 

 

 

 

 

 

 

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