© 2017 ON - Neue Musik Koeln e. V.

  • Facebook B&W
  • Twitter B&W

Ich bin ja nicht altmodisch, aber...

26.01.2018

11:00 Uhr. Forum Philharmonie. Pressekonferenz AchtBrücken.

 

 

 

Henriette Reker, Valerie Weber (Hörfunkdirektorin WDR) und Louwrens Langevoort eröffnen pünktlich die Pressekonferenz zum nahenden AchtBrücken-Festival. Im Mittelpunkt des Festivals wird Bernd Alois Zimmermann stehen.

 

Reker schwärmt von der Kölner Musiklandschaft und betont besonders, dass Köln auch heute noch Zentrum zeitgenössischer Musik sei. Das führt sie maßgeblich auf die 50er Jahre zurück und das wichtige Engagement des „Senders“ (gemeint ist der WDR) für die neue Musik seiner Zeit. U.a. die Gründung des Studios für elektronische Musik hätte Köln als Musikstadt großgemacht. Behalten wir dieses Beispiel im Hinterkopf.

 

Die Kritik der letzten Jahre offenbar vor Augen, schreibt Langevoort in quasi vorauseilender Selbstentwaffnung – und rhetorisch damit nicht ganz ungeschickt – folgende Zeilen in den Begrüßungsteil des frisch veröffentlichten Programmheftes:

 

„Das Festival ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln versteht sich nicht als Betrachter der Vergangenheit, sondern wendet den Blick von der Gegenwart der Musik in die Zukunft. Dennoch ist der 100. Geburtstag von Bernd Alois Zimmermann Grund genug, sich dem Werk des Komponisten zu widmen und damit den Blick tief in die Vergangenheit zu werfen. Immerhin entstand Zimmermanns letztes Werk, seine rätselhafte Ekklesiastische Aktion: Ich wandte mich um und sah alles Unrecht, das geschah unter der Sonne, kurz bevor er sich am 10. August 1970 das Leben nahm, also vor 50 Jahren!“

 

Ist also der einzige Grund, weshalb der eigenen Prämisse unmittelbar widersprochen wird, die Tatsache, dass Zimmermann 100 wird? Oder dass er sich vor 50 Jahren umgebracht hat?! Das neueste Werk dieses Schwerpunkt-Komponisten wird jedenfalls fast ein halbes Jahrhundert alt sein.

 

Erinnern wir uns an die einführenden Worte von Oberbürgermeisterin Reker und wie sie das aktuelle Kölner Musikleben mit dem von 1950 verglich. Ich stelle mir vor, wie Otto Tomek, Herbert Eimert und Co am Tisch saßen und darüber diskutierten, wie das Programm zur neuen Reihe „Musik der Zeit“ aussehen könnte. Man stelle sich vor, diese Kölner Urgesteine, diese Verfechter zeitgenössischer Musik hätten sich in ihren Konzerten und Rundfunkprogrammen nicht Stockhausen, Cage, Kagel und Zimmermann gewidmet, sondern „zeitgenössischer Musik“ von vor 50 Jahren. Gespielt worden wären vielleicht Rheinberger, Puccini, Rimski-Korsakow, Mahler, Rachmaninow, Debussy oder Ravel. Und seien wir doch ehrlich: Wo wäre Köln dann heute und welche Reputation hätte sich die „Hauptstadt“ der zeitgenössischen Musik dann erarbeitet?

 

Die Schieflage des Vergleichs sollte klar sein. Es bleibt zu hoffen, dass solche Zeilen bzw. Sätze auf mangelhafter Information beruhen und nicht auf ernstgemeinter Anmaßung. Schließlich die Frage, was Köln denn nun wirklich heute für die zeitgenössische Musik bedeutet und noch viel dringlicher: Wie werden wir in fünfzig Jahren über heute und über Köln und die Bedeutung für die Musik sprechen? Wir sollten uns ernsthaft Gedanken machen!

 

Bei allem Pessimismus darf man sich dann aber doch auf einige Konzerte freuen, die dem versprochenen Geiste des WDR der fünfziger Jahre wenigstens ansatzweise zu entsprechen scheinen. Leider gehen etwa die vier Konzerte der Reihe ON@Acht Brücken oder die Konzerte mit Werken von Schöllhorn oder Saunders viel zu sehr in der Masse des vermeintlich Neuen unter. Umso größer die Empfehlung, gezielt nach ihnen zu suchen und sich auf diese ganz besonders zu freuen.

 

GB

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Please reload

 On ColognE 
 folgen: 
  • Facebook B&W
  • Twitter B&W
 Kategorien: 
Please reload

 Ältere Artikel: 

05.10.2019

Please reload