ELOY – Musik mit Bildern der Isolation

19:30 Uhr. Kunststation St. Peter. ELOY. UA. Kommas Ensemble unter der Leitung des Komponisten Francisco C. Goldschmidt.

Eloy - Musik mit Bildern der Isolation. Francisco C. Goldschmidt. Kunststation St. Peter

Foto: Hayrapet Arakelyan

„ELOY – Musik mit Bildern der Isolation“ - so lautet der volle Titel des Musiktheaters von Francisco C. Goldschmidt, dessen Uraufführung vergangenen Freitag in der Kunststation St. Peter stattfand. Ein Musiktheater, das laut Programmtext aus dem Konzept der Unabhängigkeit von Tempi und Charakteren zum Leben erwachen soll. Eine völlig ohne Interaktion dargestellte Menge an Figuren, deren Beziehung zueinander, falls überhaupt vorhanden, nicht thematisiert wird. Möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass ich die Textvorlage von Carlos Droguett nicht kenne, aber es fällt mir vor Beginn der Vorstellung sehr schwer mir ein Musiktheater mit isolierten und abstrakten Figuren ohne jede Form von auch nur gedachter Interaktion vorzustellen.

Die Musiker des Kommas Ensemble unter Leitung des Komponisten jedenfalls spielen auf höchstem Niveau und nicht nur die technischen Fähigkeiten sind bewundernswert hoch. Jedem Instrumentalisten wird Raum eingeräumt sich selbst (oder eine Figur?) zu (re)präsentieren. Sollten dann doch mehrere Musiker spielen, bin ich fast enttäuscht, da ich mich nicht mehr hundertprozentig auf eine Stimme konzentrieren kann.

Überhaupt ist es spannend zu beobachten, wie man sich als Zuschauer bei nicht vorgegebener Interaktion seine eigenen Bezüge zusammenstellt. Die wenigen Textabschnitte geben gemeinsam mit dem auf eine große Leinwand projezierten Video für mich die grobe Richtung vor: das Thema „vom Weg abkommen“ wird mein persönlicher roter Faden durch das Stück. Die Musiker als Akteure – räumlich aber auch musikalisch – geraten instrumental auf verschiedene Abwege. Musikalische Kleinstmotive, nur sehr kurze beziehungsweise einfache und manchmal auch eindimensionale Klangereignisse, werden durch ein hervorragend integriertes Zuspielband angereichert und entwickeln sich nahezu unmerklich weiter. Jeder Abschnitt fühlt sich an wie ein Sog, in dem sich die Menge von einfachen Ereignissen in Bild und Ton fast bis zur totalen kognitiven (Über)forderung entwickelt. Und alles ohne dass man es auch nur ansatzweise kommen sieht.

Eine gute Zusammenfassung der Grundstimmung generell: Man sieht keine der Entwicklungen voraus, wodurch sie umso deutlicher nachwirken.

Sarah Heemann

#ELOY #Musiktheater #KunststationStPeter #FranciscoCGoldschmidt #KommasEnsemble

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