Cologne Guitar Quartet. Tripclubbing.

21:00 Uhr. Stadtgarten. Tripclubbing. Cologne Guitar Quartet.



Mit einem Fragebogen des Veranstalters Kölner Philharmonie in der einen und unseren Konzertkarten in der anderen Hand, schaffen wir es gerade noch pünktlich in den Konzertsaal des Stadtgartens. Als Dankeschön für das Ausfüllen werden Kölsch-Gutscheine verteilt. Obwohl wir zu den letzten Nachzüglern gehören, ergattern wir einen Platz in den vorderen Reihen.

Das 2014 gegründete und international besetzte Cologne Guitar Quartet betritt die Bühne. Es spielen Tal Botvinik, Tobias Juchem, Prolemaios Armaos und Henrique Almeida. Da die Konzerte der Tripclubbing-Reihe nie länger als eine Stunde dauern sollen und das Konzert mit einem Konzert-Remix eines eingeladenen Künstlers enden muss, stehen lediglich drei Stücke auf dem abendlichen Programm. Das spektral anmutende Quartett für vier Gitarren (2007) von Georg Friedrich Haas macht hier den Anfang. Auf umgestimmten Gitarren klingt ein tonal freischwebendes Werk, das durch seine zahlreichen Einzelteile wie eine Art Flickenteppich wirkt. Die einzelnen Teile reagieren aufeinander, werden quasi stereophon durch die nebeneinander auf der Bühne sitzenden Musiker gereicht. So kommt es, dass das Stück zwar einerseits zu zerfallen droht, andererseits aber – nicht zuletzt wohl auch visuell – derart mit den Interpreten verzahnt ist, dass am Ende doch ein schlüssiges Gesamtbild des Werks entsteht. Dennoch bleibt in mir eine Art formaler Unruhe zurück, die in ihrer Unentschlossenheit in Korrespondenz steht mit der spektralen Tonalität der verstimmten Gitarren.

Deutlich befriedigender präsentiert sich hingegen Atempause (2008) von Mayako Kubo. Die Idee für dieses Werk sei der Komponistin während einer Pause in einer Operninszenierung gekommen, erfahren wir von einem der moderierenden Musiker. Neben der intensiven Verzahnung der einzelnen Instrumente untereinander zeichnet sich das Werk im Besonderen durch die klangliche Vermengung der Stimme mit den teils sakral anmutenden Gitarrenklängen aus. Gesungene Quintparallelen versetzen uns in eine meditative, fast kirchliche Atmosphäre.

Völlig fern von jedwedem transzendentalen Bezugspunkt ist HERO_IN (2017) von Sergej Maingardt ein wahrer Kontrapunkt am Konzertabend. Das Stück für vier E-Gitarren, Video und Zuspiel entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Cologne Guitar Quartet und Maingardt selbst. Neben den vier Musikern, deren Gesichter und Körper im Video zu merkwürdigen Formen verschmelzen, werden auch eigens mit den Musikern vorproduzierte Klänge zum Teil des neuen Werkes. Das von popmusikalischen Effekten inspirierte Stück hämmert die Zuhörer förmlich durch den Rest der Konzertveranstaltung. Subwoofer bringen unsere Hosenbeine zum Flattern und schwarzweiß schillernde Video-Elemente blenden jedwede visuelle Empfindsamkeit aus. Wir sehen einen Tänzer im Video. Oberkörperfrei bewegt er sich wie im Rausch zu der immer intensiver werdenden Musik. Das Spektakel aus Musik und Performance findet seinen ekstatischen Höhepunkt, als sämtliche Akteure der Szenerie auf der Leinwand miteinander verschmelzen und auch die verzerrten E-Gitarren sich immer schwieriger von der Zuspielung unterscheiden lassen. Musikalisch erkenne ich hier einige Zitate aus älteren Produktionen Maingardts wie etwa die immer wiederkehrenden verzerrt in die Höhe schnellenden Gitarrensamples, die in der Tanzperformance OUT (2015) eine zentrale Rolle spielten.

Besagter Abschluss-Remix wurde von Andreas Kolinski und Sergej Maingardt gestaltet. Die beiden Musiker schnitten das Konzert vollständig mit und bereiteten das Gehörte auf durchaus interessante Weise auf. Zugegebenermaßen klang der Abschluss eher nach Maingardt als nach den beiden anderen gehörten Komponist*innen, was dem Konzert aber nicht schadete, sondern insgesamt einen spannendes Ende darstellte.


GB

#Maingardt #Stadtgarten #Tripclubbing #CologneGuitarQuartet

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