Kulturpolitisches Forum WDR3. Kölner Musiknacht



Zum zwölften Mal fand am 30. September mit der Kölner Musiknacht eines der wichtigsten kulturpolitischen Ereignisse des Jahres statt. Sie wurde als Reaktion auf die im Vorfeld erbittert geführten Diskussionen über ihre Daseinsberechtigung und ihre Funktion als Musiknacht Kompakt veranstaltet. Dies mit wesentlich weniger Programmpunkten und Spielstätten, aber auch mit deutlichem Augenmerk auf die ursprüngliche Intention der Veranstaltung: Unter welchen Lebensumständen arbeiten die Künstler der freien Szene, kann man diese guten Gewissens als frei bezeichnen?

Zu dieser Fragestellung fand im Museum für angewandte Kunst Köln (MAKK) das Kulturpolitische Forum des WDR 3 statt. Geführt wurde das Gespräch unter der Leitung von Michael Köhler mit Daniel Mennicken (Sprecher des IFM), Evelin Degen (Honorarprofessorin an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und Leiterin des E-MEX-Ensembles), Barbara Förster (Leiterin des Kulturamts der Stadt Köln) und Oliver Keymis (Vizepräsident des Landtags und Sprecher des Ausschusses für Kultur und Medien NRW).

Die freie Szene trägt als einer von zwei wichtigen Pfeilern sehr wesentlich zum kulturellen Leben der Stadt Köln bei. Die Musiknacht wird vom IFM bewusst mit der Prämisse veranstaltet, den ausübenden Künstlern eine politische Plattform zu bieten und gleichzeitig die Politik auf die bestehenden Umstände aufmerksam zu machen. Die Lebens- und Arbeitsumstände freier Künstler in Köln haben sich seit der ersten Musiknacht 2005 zwar deutlich verbessert. Dennoch erreichen die meisten der ausschließlich frei arbeitenden Künstler am Ende ihres Arbeitslebens eine Rente nahe Sozialhilfeniveau. Neben der stets präsenten Problematik rund um Mindestgagen zählen die Sorgen rund um fehlende soziale Absicherung und kaum vorhandene Planungssicherheit zu den größten Kritikpunkten. Es fehlt an Infrastruktur in Form von Räumlichkeiten, zugänglicher Technik sowie Verwaltungs- und Administrationskapazitäten. Auch wenn sich alle Akteure einig darüber sind, dass sowohl die Stadt Köln als auch Institutionen wie ON - Neue Musik Köln e.V. hervorragende Arbeit leisten, wird ebenso klar, dass die Gesamtsituation noch längst nicht als akzeptabel zu bezeichnen ist und dass noch ein weiter Weg zu gehen ist.

Kulturförderung ist in NRW auf kommunaler Ebene organisiert, was laut Oliver Keymis auch die kulturelle Vielfalt des Bundeslandes ausmacht. Auf Landesebene könne nur übergeordnet und in die Zukunft blickend über Mittel und Wege diskutiert werden, den Kommunen neue Instrumente in die Hand zu geben. Die Rentenproblematik müsse auch im Hinblick auf die Digitalisierung und den damit verbundenen Rückgang der Rentenkasseneinzahlungen neu gedacht werden. Er warnt mehrfach und eindringlich davor, zu kurzfristig nach Lösungen zu suchen und damit möglicherweise die Situation künftiger Generationen noch zu verschlechtern.

Neben aller berechtigter Kritik gibt es schließlich auch Berichte über neue Schritte in die richtige Richtung: der Förderetat für die freie Szene soll prozentual an den Etat des öffentlichen Tarifs gekoppelt werden, laut Mennicken eine äußerst begrüßenswerte Entwicklung.

Das Schlusswort Evelin Degens beendete das Gespräch auf sehr treffende Weise: „Es macht uns auch Spaß. Wir leiden nicht von morgens bis abends, es gibt uns eine ganze Menge. (…) Aber deshalb kann man das trotzdem bezahlen.“

Wie wahr.


Sarah Heemann

#Kulturpolitik #Musiknacht #KulturpolitischesForum #WDR3

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