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soundings#006

13.07.2017

20:00 Uhr. Aula KHM. soundings#006. Joker Nies. Richard Scott

 

 

Auf Einladung des Klanglabors der KHM findet am Abend das Konzert soundings#006 statt. Die Gäste warten am Saaleingang. Drinnen scheint Hektik zu herrschen. Die Tür öffnet und schließt sich. Leute laufen rein und wieder raus.

 

Um viertel nach dürfen wir dann in die Aula. Auf den beiden Tischen im Bühnenbereich ist eine Menge an elektronischen Klangerzeugern aufgebaut. Kein einziges der Instrumente kenne ich. Nach dem Konzert werde ich lernen, dass ich schlicht zu jung bin, um das Aufgebot an analoger Technik zu seiner Blütezeit erlebt haben zu können.

 

Vom Moderator hans w. koch erfahren wir, dass der Konzertabend dreiteilig sein wird. Erst am Ende sollen beide Künstler gemeinsam performen. Den Anfang und somit die Konzerteröffnung macht Richard Scott.

 

Für mich klingen die ersten Sekunden der Improvisation Scotts sehr konservativ, im Prinzip so, wie ich mir ein klassisches Stück elektronischer Musik vorstelle. Sich leise im Klang öffnende Sinustöne werden in den Saal geschickt, metrische Strukturen sucht man vergebens. Alles klingt irgendwie suchend, nicht wirklich konkret in der musikalischen Idee.

 

Recht bald werden dann aber doch Metren etabliert, die die suchende Atmosphäre durch klar rhythmisches Material auflösen. Die diffusen elektronischen Klänge bekommen einen komfortablen halt. Interessant wird es dann, als diesem ersten rhythmischen Element ein zweites hinzugesetzt wird. Die beiden ähnlichen Strukturen erzeugen so zeitweise Phasenverschiebungen, die sie in eine aufregende Konkurrenz zueinander setzen. Die Spielgesten Richard Scotts zeigen an: wir bewegen uns auf den musikalischen Höhepunkt zu.

 

 

Joker Nies hat viele seiner Instrumente selbst gebaut oder wenigstens umgebaut. Einem analogen Synthesizer ergänzt er druckempfindliche Platten, die hier als intuitives Interface fungieren. Geschwindigkeit, Druck und bestimmte Gesten ermöglichen hier ein expressives Spiel und eine Ausdruckskraft, die der vermeintlich statischen Elektronik beim Zuschauen sonst nur selten abgewonnen werden kann.

 

Ohne atmosphärische Einstimmung werden wir von Nies mit dem Grundmaterial für die Improvisation konfrontiert. Dieses wird in einem durchaus melodischen Bereich angesiedelt, der wegen der beschriebenen Steuermöglichkeiten auch recht flexibel und spontan behandelt werden kann.

 

Das gewaltige musikalische Potential wird am Konzertende zementiert. Beide Musiker treten in einer gemeinsamen Improvisation in einen fruchtbaren Austausch. Es gelingt ihnen, durch ihre individuellen Möglichkeiten das Gegenüber zu ergänzen und fernab jedweder faden Statik, flexibel und kammermusikalisch verzahnt Musik zu machen.

 

Felix Knoblauch

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