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Eric Cordier & Marc Zeier (G*Park) bei reiheM

29.04.2017

20:30 Uhr. Stadtgarten. reiheM. Eric Cordier. Marc Zeier (G*Park).

 

 

Die riesige Discokugel an der Decke wirft hunderte kleine rote Flecken in den halbdunklen Saal des Stadtgartens. Um einen Mixer, samt Notebook in der Mitte des Saals, sind etliche Stühle gestellt, die das Konzert G*Park & Eric Cordier der reiheM von allen Seiten aus bequem beobachten lassen. Als erster nimmt Eric Cordier am Pult Platz. Seine Musik wirkt anfangs recht undefiniert, nur bedingt lassen sich gewisse Bezüge herstellen. So hören wir Klänge, die zwar eine finstere Stimmung erzeugen, den genauen Grund dafür aber erst wesentlich später offenbaren, wenn die verzerrten Geräusche sich zu einer Art von Schlägen umformen, die an heftige Hiebe mit Stöcken oder ähnlichen Stabwaffen erinnern. Dumpfe Bassflächen gewinnen an Höhe, verwandeln sich in unter Schmerzen hervorgebrachtes, stöhnendes Keuchen. Eine Art zäher Synthesizerklang mischt sich beinahe unbemerkt unter die Klangmasse. Noch lange bevor man richtig begreifen kann, wie genau die Transformation hin zum Neuen Material passiert ist, haben die faserigen Klänge schon die Kontrolle übernommen und bestimmen auf eine wunderbar befriedende Art und Weise das weitere Geschehen. Irgendwie fühle ich mich wohl in dem vermeintlichen Ausgang dieser Geschichte, werde aber auch ein unangenehmes Gefühl nicht ganz los, denn das Ganze erscheint doch auch unweigerlich kafkaesk. Der Realität entflohen, befindet man sich plötzlich in Sphären, die sich fern ab von dem befinden, was rational erfasst werden will. Vom Eskapismus dieser Musik angesteckt lasse ich mich fallen und treibe durch das Klanguniversum Eric Cordiers.

              Die erste Hälfte endet schließlich mit wieder ganz konkreten Klängen, die mich aus einer angenehmen Paralyse in die traurige Realität zurückwerfen. Vom Komponisten erfahren wir nach dem Konzert, dass wir am Ende seines Sets Aufnahmen von Straßenkämpfen in Mossul gehört haben.

              Das zweite Set gehört Marc Zeier alias G*Park. Anfangs wirkt es etwas befremdlich, wie er mit seiner viel zu hellen Stirnlampe am seitlich platzierten Mischpult steht und auf der Suche nach den richtigen Einstellungen den abgedunkelten Saal beleuchtet. Ähnlich unbeholfen klingt auch der Beginn der Musik. Irgendetwas hartes wird ins Wasser geworfen, aufschreckende Vögel fliegen im Schwarm davon und wieder hören wir Ansätze von schreien. Es dauert allerdings nicht lange, da bekommt der Moment und damit der gesamte Auftritt seinen verdienten Ernst zurück. Die Geräusche distanzieren sich sehr bald von ihrem konkreten Auftreten, werden höchstens an Stellen wiedererkannt, die scheinbar dem musikalischen Gebilde ein Gerüst bauen sollen. Sehr früh drängen sich auch tiefe, in sich ständig überlappenden Phasen schwingende, Bassfrequenzen auf, deren Tonhöhen kaum noch Hörbar, durchaus aber körperlich spürbar sind. So werden die verschiedenen musikalischen Elemente von dem tiefen Fundament begleitet und können sich so in geschützter Umgebung weiter entfalten. Sie werden immer weiter verfremdet, transformieren sich hin zu völlig neuen Gebilden und lenken das Werk mehr und mehr auf einen Höhepunkt zu, der in erster Linie durch sein brutales Auftreten im Gedächtnis bleibt. Die Bässe dröhnen in einer Lautstärke, die meine Hosenbeine flattern lässt. Bei lauten Schlägen habe ich das Gefühl, kaum mehr atmen zu können, so sehr pressen sich die Wellen in meine Lungen. Dass das Werk, welches anzuhören durchaus auch eine körperliche Leistung war, sich dem Ende neigt, merke ich daran, dass Marc Zeier sein Notebook zuschlägt und die Stirnlampe ausschaltet.

              Das Saallicht geht wieder an und die Zuhörer klatschen. Die wenigstens allerdings verlassen den Saal. Paralysiert sitzen sie auf ihren Stühlen und beginnen nach einigen Minuten heiliger Stille, über das gerade Gehörte zu sprechen.

 

GB

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