Hommage a Isang Yun

19:00 Uhr. Moltkerei Werkstatt. Friedrich Gauwerky. Solo Recital Hommage a Isang Yun.


Im urbanen Hinterhaus gelegen, versprühte die Moltkerei Werkstatt vom ersten Moment an ihren Charme. Der recht einfach gehaltene Ort – im Prinzip nicht mehr als ein großer Raum – sollte sich dennoch perfekt für das Konzert Hommage an Isang Yun eignen. Die Kompositionen Yuns und Stockhausens schmückten mit ihrer ganz eigenen Klangsprache den kleinen Saal auf eine wunderbar inspirierende Art und Weise. Besonders die charakteristischen und in angenehmer Klarheit von Friedrich Gauwerky vorgetragenen Stücke Yuns, hinterließen einen bleibenden Eindruck. So wurde das Konzert mit Glisees eröffnet. Ein Werk, dass sein thematisches Material bereits im Titel benennt. Melodiöse Sequenzen wechseln sich dabei mit durch Glissandi verfremdeten, eigentlich bereits bekannten, Tonverläufen ab und verleihen dem Stück so eine sehr innige, dennoch schwebende und irgendwo auch bizarre Wirkung.

Etwas irritiert wurden die Zuhörer dann allerdings durch den plötzlich redenden Solisten. Gauwerky stand nach der Konzerteröffnung recht unvermittelt auf und moderierte das nächste Stück an. Eine Überraschung, die das Konzerterlebnis aber umso schöner machte, denn durch die teils privaten Anekdoten wurde eine recht intime Atmosphäre geschaffen, die mit dem gewählten Programm und den Räumlichkeiten durchweg korrespondierte. So lernten wir beispielsweise etwas über die Bedeutung koreanischer Volksmusik für Isang Yun oder Gauwerkys Verhältnis zu dem Yun-Schüler Michael Whitiker, von dem im Konzert ebenfalls ein Stück gespielt wurde. Sehr komisch auch die Hintergründe zu Stockhausens Amour, das Gauwerky in Absprache mit den Nachlassbeauftragten Stockhausens für Cello arrangierte und das – auch angelehnt an In Freundschaft – eng mit den Liebschaften Stockhausens zusammenhängt. In Freundschaft, so lernten wir weiter, war verantwortlich für ein stets auf Misstrauen beruhendes Verhältnis Stockhausens zu Gauwerky. Gauwerky hatte bei einem Festival, das ihn zu spontan anfragte, das Werk nicht – wie in der Partitur vorgeschrieben – auswendig gespielt, sondern entsprechend der Zeitnot im Konzert die Partitur benutzt. Ein Fauxpas, der ihm bis zu Stockhausens Tod nicht verziehen wurde.

Dass der ehemalige Professor für Violoncello Gauwerky aber nicht nur Meister ist im Erzählen von Anekdoten um sein Schaffen als Interpret, beweist er spätestens mit Stücken wie der Sonate für Cello von Bernd Alois Zimmermann. Dieses fünfteilige Werk geht in Fragen der Virtuosität und der Vielfältigkeit des musikalischen Materials keine Kompromisse ein, stellt damit die restlichen Programmpunkte beinahe bedingungslos in den Schatten. Fast erleichternd wirkt das Werk in dem sonst doch eher traditionellen Programm. Verbleiben Isang Yun und Michael Whitiker in einer für die 70er Jahre typischen spätromantischen-Neue-Musik-Mentalität, die wegen ihrer Sext-Sprünge mal an Wagners Tristan und zwischenzeitlich an vermeintliche Ideale Weberns erinnert, so ist es Zimmermann, der anmahnt, dass auch moderne Kommunikationswege in einer modernen Zeit einen kommunikativen – und vor allem interaktiven – Prozess zwischen ausführendem Künstler und dem Rezipienten begründen können. Eine Erfahrung, für die man nicht dankbar genug sein kann.


Felix Knoblauch

#IsangYun #Gauwerky #SoloRecital #Cello #Zimmermann #Stockhausen

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